Unser neuer Kickr (funzt noch nicht so)

Der Winter steht vor der Tür, also haben Eisenwade und Gummibein investiert. Eisenwade hat seine verstaubte Modelleisenbahn auf ebay verkloppt, und Gummibein hat geguckt, was das Konto noch hergibt. Dann haben wir zusammengelegt und zugeschlagen. Wir zwiften jetzt. Dazu haben wir uns erst einen Wahoo Kickr Snap zugelegt (bei Veloskop gekauft) und danach ein Profil auf Zwift (kostet die ersten sieben Tage nichts, danach 10 Dollar im Monat). Aber irgendwas machen wir noch falsch.

Von vorne erzählt: Das Teil kommt in einem großen Karton, ist perfekt verpackt und sauschwer (20 Kilo, so steht es zumindest auf dem Karton). Schnell in den Eisenwadegummibeinkeller getragen (den wir vorher sogar, man höre und staune, aufgeräumt haben) und aufgebaut. Erster Eindruck: Der Kickr steht deutlich stabiler als das Elite-Dings, das vorher da stand und inzwischen die ewige Ruhe auf dem Recyclinghof gefunden hat, weil die Elektronik kaputt war. Auch der Einklemmmechanismus funktioniert geschmeidig. Dann muss man noch mit einem blauen Gewinderad die Rolle ans Hinterrad drücken und für den richtigen Anpressdruck sorgen (in der Anleitung steht: Man soll das eingespannte Hinterrad schwungvoll mit der Hand bewegen – es darf nicht durchrutschen) – und fertig. Dann auf zwift.com die Software runterladen, MacBook und Kickr mit Bluetooth koppeln und die Fahrerdaten eingeben (ohne beim Gewicht zu schummeln, was die größte Herausforderung war). Wir sind jetzt als Eisenwade Gummibein unterwegs und teilen uns erstmal ein Profil. Nach meiner Vorstellung müsste das gehen, vorausgesetzt, Eisenwade ändert, wenn er dran ist, kurz das Profil-Körpergewicht. Oder hat jemand Einwände?

Aber heute war der Alte an der Reihe – der Kleine ist nämlich eigentlich noch bis Mitte Oktober in der Winterpause (und hat in den letzten Wochen zwei Zentimeter zugelegt – es tut sich was!), die er nur für 20-minütige Crossrennen unterbricht …

Zum Start hab’ ich mir den FTP-Test ausgesucht. Kann ja nicht verkehrt sein, mit sowas mal anzufangen. Vorher hatte ich festgestellt, dass ich im September für 130 Monats-Kilometer genau zwei Mal auf dem Rennrad saß, das letzte Mal am 10.9. – höchste Zeit, mal wieder was zu tun, erst Recht, weil es Mitte Oktober nochmal nach Südfrankreich in die Berge geht.

Beim Umziehen musste ich bemerken, dass die neue Büx im RG-Uni-Design leider etwas zwickt. Muss ich wohl in der falschen Größe bestellt haben, fluchte ich, und versuchte, das auf dem Wäscheschild bestätigt zu finden, musste aber feststellen, dass mein Arm dafür zu kurz ist. Erzählte ich schon, dass mich seit einigen Monaten die Altersweitsichtigkeit heimgesucht hat? Mit ein bisschen Blinzeln fand ich dann: Die übliche Größe. Und auch die alte Vergleichshose, in die ich probeweise schlüpfte, zwickte an ähnlicher Stelle. Ich war also schon mit den Nerven am Ende, bevor ich überhaupt auf dem Bock saß.

Dann aber gings los.

Alle Menüs sind ziemlich selbsterklärend – ich klickte also einfach den FTP-Test an und bekam dann mein Warmfahrprogramm, das mich durch London führte. Die Grafik ist ganz okay, wenngleich man da bei anderen „richtigen“ Computerspielen sicher noch beeindruckendere Darstellungen sehen kann. Die größte Überraschung aber waren die angezeigten Wattwerte. Die waren nämlich viel zu hoch! Ich habe ja meine Rotor-Powermeterkurbel im Rad und hatte den Garmin als Kontrollorgan eingeschaltet – und der zeigte mir runde 30 Watt weniger an als Zwift. Also musste Eisenwade ran und während der Fahrt den Anpressdruck etwas erhöhen, was zu einem leichten Angleich beider Werte führte. Bei einem Unterschied von nur noch etwa 10-15 Watt (bei ca.160 getretenen Watt) ist allerdings der Anpressdruck so hoch, dass der Mantel des Rollenlaufrads das sicher eher über kurz als über lang mit seiner Kündigung quittieren wird. Zum anderen bekommt man das ganze Fahrrad zwar ausgespannt, aber durch den hohen erforderlichen Druck nicht wieder eingespannt. Heißt das also wirklich, man muss vor jeder Fahrt den Anpressdruck mühevoll per Hand justieren? Und es geht noch weiter: Das Warmfahrprogramm führte mich über einige Minuten über 300 Watt ­ – da war der Unterschied noch krasser. Aus den hinjustierten 10 Watt Unterschied wurden wieder 30 Watt. Das ist schon ziemlich kacke, finde ich. Ich beschloss dann, das Problem zu vertagen, und erstmal meinen FTP-Test zu fahren.

Der mich durch ein Tal der Tränen führte. Um es kurz zu machen: Ich musste zwei, drei Mal die Beine kurz hochnehmen, pfiff aus dem letzten Loch und musste zur Halbzeit Eisenwade, der das erbärmliche Schauspiel interessiert von der Seite beobachtete, recht unwirsch aus dem Raum schicken, weil ich mit meiner Unfähigkeit lieber allein sein wollte. Am Ende schaffte ich 260 Watt auf 20 Minuten. Auf Zwift. Die Rotorkurbel indes zeigte mit brutaler Ehrlichkeit den wahren Leistungsstand. 235 Watt. Vor vier Jahren waren das noch über 300 – und selbst im vergangenen Jahr, als die Durchblutungsstörung im Gummibein bereits stark ausgeprägt war, kam ich noch auf über 260. Und jetzt 235. Zum Vergleich: Eisenwade fahrt rund 200 Watt auf 20 Minuten, und er wiegt etwas mehr als die Hälfte von mir. 235, das ist schlechter als Trump. Das ist die mieseste, erbärmlichste, deprimierendste und traurigste 20-Minutenleistung, die man sich vorstellen kann. Um genau zu sein, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich mal so schlecht sein würde.

Immerhin widerstand ich dem Reflex, einfach alles bei Ebay reinzusetzen, die Rennschuhe (wie die von Eisenwade, in Größe 34) an die Wand zu hängen und die Golfsachen wieder aus dem rostigen Schrank im Heizungskeller zu klauben.

235, das ist jetzt ein Anfang. Einer, der Luft nach oben lässt. Ab jetzt wird trainiert. Eisenwade muss bis Oktober 2018 gute 10.000 Kilometer fahren, ich werde zusehen, dass ich viele davon mitfahre. Ich werde Grundlagenkilometer fressen und bei Regen zwiften, was das Zeug hält. Und ich werde gucken, ob ich mein Gummibein medizinisch wieder reparieren lassen kann. Das Ziel ist klar: Vor dem Trainingslager auf Mallorca im kommenden März muss der echte 20 Minutenwert wieder bei 265 sein, wenigstens. Ich sag: Ich schaff’ das.

Und falls jemand weiß, was ich beim Kickr falsch mache, warum die Wattanzeige so viel mehr anzeigt: Ich freue mich über jeden Hinweis!

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