Großer Preis von Volksdorf

Wir sind ja gerade aus unserem Urlaub in den Pyrenäen zurückgekommen, und der war radfahrtechnisch, na ja… ein bisschen durchwachsen. Es lief an manchen Tagen recht gut (ich hab Papa am Tourmalet 6:00 Minuten abgenommen, ok, was heißt das bei Papa schon?), aber irgendwie war ich die ganze Zeit über nicht richtig in Form, und an manchen Tagen hatte ich geradezu Blei in den Beinen. Ganz komisch. Deswegen hatte ich heute, als es dann zum Volksdorf-Rennen ging, auch nicht so hohe Erwartungen an mich (und ehrlich gesagt auch nicht die allergrößte Lust, es hat nämlich früh morgens in Strömen geregnet). Ich hab mich dann trotzdem mit Papa auf den Weg gemacht und als wir an der Rennstrecke waren, war der Regen auch schon wieder weg. Die Straße war zwar noch nass aber es ließ sich trotzdem ganz gut fahren. War also ne gute Entscheidung, doch herzukommen. Beim Warmfahren hab ich dann sogar gemerkt, dass ich richtig gute Beine hatte, aber als Papa mich danach fragte: „Na, wie fühlen sich die Beine heute an?“, hab ich wie fast immer (ich bin leidenschaftlicher Tiefstapler) geantwortet: „Joooaaaahh, geeeeht sooo“(Ich bin da nicht so präzise). Auf jeden Fall konnte ich das Warmfahrprogramm locker absolvieren, sodass wir den weniger schönen Teil von dem, was Papa unter „Rennvorbereitung“ versteht, noch erledigen konnten: Das Beine-Massieren inklusive nagelneuem Startöl, dass Papa zu seinem Geburtstag bekommen hat. Ich bin nämlich irre kitzelig und wenn einer schon meine Oberschenkel leicht zusammenknetet, muss ich schon laut lachen. Papa scheint das aber sehr zu genießen, deswegen knetet der bei mir nicht, sondern zerquetscht einem die Oberschenkel, sodass man Angst haben muss, am Ende mit ein paar Knochenbrüchen in der Notaufnahme zu landen. Also ich weiß echt nicht, wie manche Leute das mögen können… Ich hab’s immerhin überlebt und bin dann mit Papa zur Startaufstellung gegangen. Bald ging es auch schon los. Wir U-15er sind allerdings mit den Mädchen und der U-17 zusammen gefahren, was natürlich im Rennen für Chaos sorgen kann, wenn es beim Überrunden unübersichtlich wird. Nach dem Start wurde erstmal relativ langsam gefahren, aber dann ging ein 2002-er-Fahrer aus unserer Gruppe weg, und konnte sogar zu den U-17ern aufschließen. Wir dahinter sind dann erstmal langsam gefahren, nachdem es ein paar vergebliche Versuche gab, den Ausreißer wiedereinzuholen. Als die U 17 uns dann das erste mal überrundet hat, hab ich dann versucht, an den Großen dranzubleiben, aber das war mir echt zu schnell. Also hab ich auf den Sprint gewartet, bei dem ich ja eigentlich sehr gute Chancen hatte (die Zielgerade ging leicht bergauf, perfekt für mich, im letzten Jahr konnte ich in der U13 sogar gewinnen). In der letzten Kurve war ich dann super positioniert, ich war dritter und hab auf der Zielgeraden gemerkt, dass die beiden Fahrer vor mir schon langsamer wurden. Ich wollte gerade zum Sprint antreten, da bin ich auf einmal mit beiden Schuhen vom Pedal abgerutscht und saß plötzlich auf dem Oberrohr. Die ganze Gruppe war dann an mir vorbei und das Podest war Futsch. Dann hab ich mich natürlich erstmal richtig geärgert, ich glaube, wenn ich das Problem nicht gehabt hätte, dann wär ich jetzt mindestens dritter, wenn nicht sogar zweiter. Zuhause haben wir dann geguckt, woran das lag, dass ich mich unabsichtlich aus dem Pedal ausgeklickt habe. Und beim Inspizieren meiner Schuhplatten, haben wir das Problem gefunden: Die Dinger sehen aus, als ob irgendein Hund daranrumgeknabbert hat. Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass der vordere Teil der Platte vollig abgelaufen ist (ich bin irgendwie immer auf den Zehenspitzen damitrumgelaufen, obwohl man ja auf den Fersen gehen soll. Aber man vergisst halt manchmal, dass man nicht normal laufen darf). Da wo im Neuzustand (oder bei Papa, der richtig laufen kann) eine Lasche zum Einhaken ins Pedal ist, sind bei mir nur noch ein paar Fetzen übriggeblieben. So ein Mist. Ich ärgere mich total. Aber immerhin hat die Form mal wieder gestimmt.

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Pyrenäen: Tourmalet und Co.

Die Pyrenäen nötigen einem Hartnäckigkeit und Langmut ab. Es ist nicht so, dass man hinfahren kann, und alles ist gut. Nach zwei Urlauben (2011 und 2014), die man als eher verregnet bezeichnen muss, waren wir uns zwar jeweils einig, hier nie wieder hin zu fahren – andererseits ist die Landschaft so atemberaubend und so viel anders als in den Alpen, dass wir das Gefühl hatten, noch nicht fertig zu sein mit der Ecke. Und in diesem Jahr werden wir endlich belohnt. Das Wetter ist der Wahnsinn. Keine Wolke am Himmel, am dritten Tag in Folge – und auch die nächsten Tage werden wunderbar. Und heiß, bis 32 Grad.

Mit Hitze hat es Eisenwade ja nicht so. Gestern sind wir eine kleine 55-Kilometer-Runde gefahren, eher flach (so weit man das hier sagen kann) und möglichst schattig (na ja), im Grundlagentempo. Ich hörte Eisenwade dennoch hinter mir ächzen und begann, ein paar Karma-Punkte zu sammeln, in dem ich möglichst wenig trank, ahnend, dass der Kerl jeden Tropfen unserer drei Flaschen benötigen wurde (jep, so war’s). Und es ist hier ja so, dass man nach jeder Tour noch den Hautacam-Pass etwa 5 Kilometer hinauf fahren muss, um unter die Dusche und an den Kühlschrank zu kommen. Im Schlussanstieg konnte ich dann auch mal kurz zeigen, wo der Hammer hängt und war klar schneller, und das bei nur 0,4 Litern Wasser, die mir insgesamt zur Verfügung standen. War wahrscheinlich nicht ganz so vorschriftsmäßig, aber was sollte ich tun? Und: Es ging ja. Gute Vorzeichen für den Tourmalet, der heute auf dem Programm stand! Schnell ins weiße T-Shirt geschlüpft (letztes Bild) und ein zwei drei Schlummifix-Bierchen. Dann ging ich ins Bett und fühlte mich wie Froome.

Als Zugeständnis an den hitzeschwächelnden Kerl sind wir um 7.30 aufgestanden (allerdings nicht mehr wie Froome, sondern wie Gummibein) und saßen um 8 im Sattel. Schattige Abfahrt runter, dann durch das wunderschöne aber auch recht befahrene schluchtartige Tal hinauf nach Luz St. Sauveur, dort einmal links um die Ecke, und schon beginnt der erste von insgesamt 18,5 Kilometern Anstieg.

Der Tourmalet ist zwar der höchste, aber sicher nicht der schönste Pass, und ziemlich viele Autos fahren hier auch. Wir hatten deshalb verabredet, zunächst beieinander zu bleiben, zumindest, bis das Begleitfahrzeug uns eingeholt haben würde. Frau und Tochter waren dankenswerterweise ebenfalls früh aufgestanden und hatten uns 45 Minuten Vorsprung gegeben. Etwa 10,5 Kilometer vor der Passhöhe hatten sie uns dann. Bis dahin war es bei mir ganz gut gelaufen. Ich hatte etwas Sorge, dass ich dem Kleinen zu schnell fahre und konnte auch meine Leistung nicht kontrollieren, weil die Batterien meiner Rotor-Kurbel mal wieder leer sind (eben sind neue angekommen, Amazon sei Dank). Jedenfalls donnerte ich so Sky-mäßig in den Berg hinein, den Mann in Gelb hinter mir, begleitet von einem monumentalen Orchester in meinem Kopf, das so was in der Richtung „Freude schöner Götterfunken“ spielte – bis ich von hinten (gefühlt mit leicht murrendem Unterton) hörte, dass alles sei gerade eigentlich „ein bisschen langsam“ und überhaupt stünden nur 130 Watt auf Eisenwades Tacho.

Fuck.

Zum Glück kamen dann die Frauen.

Ich ließ ihn also ziehen und kämpfte die verbleibende Stunde alleine. Ich muss sagen: Früher ging der Berg besser. Ich habe keine Ahnung, wie viel Watt ich treten konnte, schätze aber, das waren klar unter 250. Von Luz aus bin ich zwar unter 1:30 h geblieben, ich erinnere aber, dass ich von der anderen Seite (1 km kürzer) mal in 1:12 hinauf bin. Das sind Welten. Dennoch hat’s Spaß gebracht, und oben (ich kam etwa fünf sechs 6:04 Minuten nach Eisenwade an) gab’s das obligatorische Foto.

Während der Kleine dann ins Auto durfte, hatte ich mir die große Runde zurück vorgenommen. Aber etwas zu liederlich geplant. Hinter Bagnères de Bigorre hatte ich mir eine Strecke rausgesucht, die gleich über zwei kleine Pässe führte, zwar nur jeweils 3 Kilometer lang, aber auf 2,5 Meter breiten Straßen, die auf voller Länge Steigungsprozente zwischen 14 und 20 (!) aufwiesen, bei nunmehr 32 Grad. Und weil ich entnervt nach einem zusätzlichen Ritzel suchte (war aber keines mehr da) und mir dabei den Umwerfer in die Speichen haute, das Ausfallende verbog und von da an die beiden letzten Ritzel gar nicht mehr schalten konnte, rettete ich mich irgendwie fluchend den über mir in den Hügeln hängenden Dörfern Unflätiges zurufend mit einem lustigen Lied auf den Lippen zum Anstieg nach Hautacam, an dessen Fuß mich die wunderbare Frau nach genau 100 Kilometern Fahrt dann einsammelte – nur mit dem 23er wäre ich da einfach nicht hinauf gekommen.

Fahrrad ist inzwischen gerichtet. Morgen ist Ruhetag, also: Bergwandertag.

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Unsere Tour de France

Während Radsport-Hamburg in diesen Tagen entweder im Cyclassics-Fieber ist, die Kids-Tour in Berlin gefahren ist oder sich auf die Zeitfahr-DM vorbereitet, befinden sich Eisenwade und Gummibein im extrem entspannten Sommerurlaub. Eisenwades körperliche Verfassung war ja zuletzt krankheitsbedingt etwas jämmerlich verbesserungswürdig. Von der des Alten nicht zu reden. Deshalb kam uns die erste Urlaubswoche, geplant von der Tochter, sehr entgegen: eine Woche Strandurlaub in Perpignan. Nun darf man das – sehr schöne – Perpignan nicht unterschätzen. Natürlich gibt es hier einen kilometerlangen Sandstrand. Aber: Liegt man am Meer und brät, bis die Haut Blasen wirft, fallen hinter einem die Pyrenäen ins Wasser. Keine 15 Kilometer vom Meer entfernt wird es kuppig durchaus steil, und unsere kleine, schnell gefundene Hausrunde von 60 KM hatte denn auch ein paar hübsche Anstiege aufzuweisen: bis zu sieben Kilometer nonstop bergauf mit fünf bis sieben Prozent – wunderbar (siehe Foto). Wir ließen es sehr langsam angehen, was gut war, denn Eisenwade war Lichtjahre von einer guten Form entfernt fuhr zunächst seiner Form etwas hinterher. Nach der Krankheitspause folgte der Trainingsrückstand, und auf der ersten Tour brach der kleine Mann ein wie das Knick Ei von Halstenbek. Ist lange her, dass ich ihn einen leichten Hügel hinauf schieben musste. :-)

Die folgenden Tage lief es aber besser. Mehr Schlaf und mehr Mückenspray waren eine gute Idee, der frühe Start um 8.30 Uhr auch – somit waren wir vor der 30-Grad-Marke (erreicht um 11 Uhr) wieder am Pool unserer wahnsinnig freundlichen britischen Auswander-Gastgeber.

An Gummibeins Geburtstag ging es dann weiter: Die letzten Zweidrittel unser Reise verbringen wir nun in den Pyrenäen. Und zwar an einem legendären Berg: dem Anstieg hinauf zum Hautacam. Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Hier attackierte der am Vortag in Gelb geschlüpfte, bis unter die Haarspitzen vollgepumpte Bjarne Riis 1996 ein ums andere Mal (ich glaube, es waren mindestens drei Mal, wenn nicht vier), ließ sich wieder zurückfallen, demoraliserte seine Gegner und zog dann unerbittlich von dannen und baute seine Führung aus. Und auch 2000, 2008 und 2014 führte die Tour hier hinauf. 2011 waren wir auch schon mal hier – und hin und weg. Wenn jemand das schönste Ferienhaus der Pyrenäen sucht: Call us. Leider ist die Nordseite der Pyrenäen ein langgezogenes Regenloch, aber für uns ist die Prognose für die kommenden 10 Tage hervorragend: bis zu 31 Grad. Ein kleines Wunder, ganz ohne das Weihwasser von Lourdes (10 Kilometer entfernt).

Unser Haus liegt bei Kilometer fünf des Anstiegs, die Tour führte hier schon mehrmals am Garten mit dem kleinen Boule-Platz vorbei (ich habe heute gegen die Tochter verloren, aber das war einfach nur Pech), man hätte damals jedem gedoptem Fahrern auf den Helm spucken können.

Nach der ersten Gipfelwanderung heute sind Eisenwade und ich am Abend noch für eine Mini-Tour auf die Räder gestiegen. Einmal runter ins Tal, kleine Schleife und wieder hinauf. Auf fünf Kilometer habe ich nur eine knappe Minute verloren – Grund genug, jetzt die zweite Flasche Wein zu öffnen! Bis bald!

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Assen, (fast) Finale

Eine Woche Assen ist (fast) vorbei. Eine Woche mit Höhen (einigen) und Tiefen (mehr) und am Ende einer Plastikkiste voll Fahrradklamotten, die nun beißender riecht als … nun ja. Jedenfalls hatten wir vor dem Essen (heute gab’s das Abschlussessen mit dem gesamten Team und netten Gästen aus Harburg) das Auto schon etwas beladen und mochten uns nach dem Essen kaum noch hineinsetzen. Fairerweise muss man bemerken: Der Alte ist auch ein paar mal gefahren, sogar abschnittsweise recht hart, und der Junge riecht beim Schwitzen immer noch nach Sommerblumen.

Zusammengefasst kann man sagen: Es war ein Fehler, herzukommen. Und irgendwie auch nicht. Falsch im Sinne von: Noah war einfach nicht renntauglich, sondern hätte besser eine Ruhewoche eingelegt. Aber da hat uns das bezahlte Startgeld, die bereits gebuchte Pension und vor allem die generelle große Vorfreude auf das Event einfach falsch geleitet. Richtig im Sinne von: Es war eine aufregende, lehrreiche Woche mit sehr netten Leuten und immerhin drei Renntagen für Eisenwade, an denen er sicher was für sein weiteres Rennfahrerleben gelernt hat. Dass Gummibein am Ende entschieden hat, Eisenwade gänzlich rauszunehmen, ist nicht nur der von Noah beklagten allgemeinen Schwäche samt Gliederschmerzen und seinem beständigen Husten geschuldet, sondern auch der Sorge, dass aus einer nunmehr neuntägigen Erkältung etwas Schlimmeres erwachsen könnte, wenn man nicht mal ein bisschen Ruhe einlegt. Sicher ist das ein schmaler Grat. Manche mögen mangelnde Einstellung und mangelnde Wettkampfhärte beklagen, andere eher Leichtsinn. Irgendwo dazwischen wird, wie immer, die Wahrheit liegen. Ich jedenfalls fühle mich mit den getroffenen Entscheidungen recht wohl, auch wenn mir Eisenwade sehr leid tut und auch einige heiße Tränen geflossen sind.

Was wir beide nicht vergessen werden: Achtjährige mit elektrischen Schaltungen, Neunjährige mit Vollcarbon-Hochprofilfelgen, Benet (der mit einem schweren Alurahmen und Tiagra-Schaltung den Klassiker gewonnen hat – es kommt beim Radfahren halt doch irgendwie auf die Beine an), Kampfrichter mit Krawatte, Rennberichte per Funk vom Begleitmotorrad – und eine von vorne bis hinten perfekte Organisation. Das ging so weit, dass die Anwohner ganzer Dörfer es klaglos hingenommen haben, am Renntag nicht mal eben so mit dem Auto ihr Grundstück verlassen zu können. Hier wurde in einer Größenordnung abgesperrt, die in Deutschland undenkbar wäre. Und die betroffenen Anwohner? Bauten sich Stühle und Tische an der Strecke auf, nahmen Kaffee, Kuchen und Bier mit vor die Tür und beklatschten die Fahrerinnen und Fahrer. Das ist ganz großes Tennis!

Unterm Strich gibt es nur einen einzigen, nein: zwei Gründe, nächstes Jahr nicht wieder zu kommen. Erstens: Assen ist ein verschissenes verdammtes arges Regenloch. Kein Tag, an dem nicht Sturzbäche vom Himmel herab gegossen wurden. Und angeblich war es dieses Jahr super – verglichen mit dem Vorjahr. Zweitens: Der nächstältere Jahrgang, also der, in dem Noah nächstes Jahr antreten wird, hatte so unmenschlich frühe Startzeiten, dass ich noch mal ordentlich Motivation tanken muss, um mir das anzutun. Aber vielleicht werden ja im kommenden Jahr auch in dieser Hinsicht die Karten neu gemischt.

Morgen gibt’s das letzte Rennen – wir werden Tamika und die Jungs natürlich anfeuern!

Und: Mehr zum Event und den anderen Hamnburge Fahrern gibt es hier: https://www.facebook.com/RadsportjugendHamburg/

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Assen, erzwungener Ruhetag

Gestern off-Tag für Eisenwade. Schon nach dem Aufwachen schwante dem Trainer-Papa: Das wird heute nichts. Ein Ruhepuls von 75 ist einfach deutlich zu hoch und ein Indikator dafür, dass irgendetwas nicht stimmt. Dass der Kerl seine Erkältung auch am achten Tag nicht los geworden ist: kein gutes Zeichen. Als Eisenwade dann noch beim Einfahren auf der Rolle über „kranke Beine“ klagte, war die Entscheidung schnell getroffen. Kurze Rücksprache mit der Jury: Ja, auch, wenn er das Einzelzeitfahren ausließe, könne er am heutigen Tag wieder starten, dann allerdings mit zehn Minuten Zeitstrafe. Also war gestern Erholung angesagt (durchaus gegen seinen Willen, aber ich bin der Boss, Punkt) und ein kleiner Assen-Bummel  – und heute wachte Eisenwade mit einem Ruhepuls von 65 auf, was zumindest wieder in die Richtung eines Normalwertes geht. Also geht es heute Mittag auf zum nächsten Rennen – mal sehen, wie es laufen wird. Gerade gießt es mal wieder in Strömen.

 

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Jeugdtour Assen, Tag 3

Gummibein hatte heute die Aufgabe, zwei Starter sicher zum Startpunkt zu pilotieren, für ordnungsgemäßes Aufwärmen und Einschreiben zu sorgen und den Wettergott gnädig zu stimmen. Noch am Vormittag goss es in Strömen, aber pünktlich gen Mittag klarte es etwas auf, so dass zumindest die Schülerfahrer, Noah und Benet, wenigstens phasenweise das Wasser nur von unten bekamen. Der „Klassiker“ in Assen ist ein Rennen, das, je nach Altersklasse, weit, weiter oder sehr weit von Assen entfernt beginnt. Ziel ist dann jeweils das Renngelände an der Radbahn, gleich neben unserer Zeltstadt. Startpunkt „meiner“ beiden 2003er-Fahrer war ein kleines Bauerndorf, in das der Tross der Begleitfahrzeuge einfiel. Jede leerstehende Scheune und jedes Carport wurde als Unterstand für die Einfahr-Rollen genutzt – der Himmel sah wenig vertrauenerweckend aus. Noah und Benet hatten heute immerhin etwas mehr Losglück: Benet durfte aus der ersten Reihe starten, Noah aus der vierten.

Ich raste nach dem Startschuss zum Auto, um die Jungs an einer Kurve, sieben Kilometer nach Rennstart, zu erwischen. Dort kam das Feld fast geschlossen an – leider war Noah da bereits mit einer kleinen Fünfergruppe rund 100 Meter abgeschlagen. Vor ihm, erzählte er später, hatte es zuvor einen Sturz gegeben. Einige Fahrer hatten den Anschluss wieder geschafft, Noah hatte heute leider mal wieder nicht die Beine dazu. In Wirklichkeit ist er momentan das Gummibein – er kommt einfach nicht auf den Damm. Natürlich ist die tägliche Anstrengung auch nicht geeignet, für eine ordentliche Erholung zu sorgen – insofern war es möglicherweise doch ein Fehler, herzukommen. Auf Dauer demoralisiert es natürlich ganz schön, immer abgehängt zu werden. Andererseits versichert er, er habe durchaus Spaß, und alles sei gut. Dennoch: Ganz glücklich sind wir beide nicht, und ich mache mir ein paar Vorwürfe.

Einer aber hat heute allen Grund glücklich zu sein: Benet hat den Klassiker souverän gewonnen! Der Bursche ist ein Riesen-Talent und hat dem Träger des gelben Trikots im Schlussspurt eine halbe Radlänge abgenommen – grandios!! Jetzt Gesamtrang sieben, Noah liegt auf 58.

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Jeugdtour Assen, zweiter Renntag

Nach dem Mini-Prolog gestern, den ich wahrscheinlich einen Tick zu vorsichtig gefahren bin, war ich auf Platz 56 (von 77 Startern).  Für heute hatte ich mir eigentlich vorgenommen, ein paar Plätze gut zu machen, obwohl meine Erkältung gestern abend wieder schlimmer geworden ist. Heute vormittag ging es dann auch eigentlich mit einer guten Nachricht los: Hier in Assen werden die Plätze bei der Startaufstellung nicht wie bei den anderen großen Rennen, die ich bisher gefahren bin, an die ersten 30, 40 Fahrer verteilt, sondern die sie werden hier bis auf die ersten drei (für die Trikot-Träger, die natürlich als erste starten dürfen) ausgelost, was ich eigentlich sehr fair finde, denn so hat jeder mal die Chance, ganz vorne zu starten. Dazu kommt, dass das für mich perfekt ist: Denn erstens komme ich im ersten Jahr in der U15 eh nicht so weit, dass unter den ersten 40 Fahrern bin und zweitens gibt’s dann auch kein endloses Gedränge vorm Start, bei dem ich ja bei der TMP- Tour und der Oder-Rundfahrt so meine Probleme hatte… Leider hat diese Methode auch einen Nachteil, man ist nämlich darauf angewiesen, dass man auch in eine der vorderen Reihen gelost wird. Das hat bei mir dann heute nicht ganz so gut geklappt, ich kam in die vorletzte Reihe und auch beim Vorrücken wurde ich nicht verschont. Da wurde ich nämlich von der Vorletzten gleich in die letzte durchgereicht, aber das kennen wir ja schon. Die Kommentatorin laberte noch die üblichen Floskeln vor sich her, die man so vor nem Rennen sagt, dann ging es auch schon los. Ich konnte mich bei dem wahnsinnig hohen Tempo, das schon direkt nach dem Start gefahren wurde, leider nur etwa zwei Runden im Hauptfeld behaupten, dann musste ich abreißen lassen. Daraufhin bin ich mit einem weiterem Abgehängten zu einer kleinen Gruppe aufgefahren, die noch vor mir war und und bin dann so ins Ziel gekommen. Das war zwar keine Glanzleistung, aber so schlimm war’s auch nicht: Ich bin nicht letzter geworden (56.), bin nicht gestürzt (einer hat sich so gelegt, dass er mit dem Krankenwagen abtransportiert werden musste) und vor allem muss man ja bedenken, dass ich noch angeschlagen bin (ich hab immer noch Husten und die Nase ist auch zu) und dass die meisten Typen, die hier so rumfahren, alle nen halben Kopf größer sind als ich (mindestens!) und doppelt so breit. Die haben natürlich viel mehr Druck als ich…

Trotzdem bin ich etwas traurig, weil ich eigentlich besser wäre, als ich es hier zeigen kann. Immerhin habe ich im Gesamtklassement keine Plätze verloren. Morgen wird der Klassiker gefahren, das heißt: Zum Start werden wir irgendwo außerhalb abgesetzt, Ziel ist dann auf dem Renn-Gelände. Es ist wohl auch etwas Kopfsteinpflaster dabei, und regnen soll es auch. Dafür starte ich erst um 13.10 und kann etwas ausschlafen. Gute Nacht!

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Jeugdtour Assen, erster Renntag

Reden wir übers Campen. Schließlich sind wir in Holland, in Assen. Das ist in der Nähe von Groningen. Und aus meiner Sicht auch irgendwie auf einem anderen Planeten. Zumindest der Teil von Assen, in dem wir uns befinden: eine beeindruckende Sportanlage, die sicher mehrere Hektar umfasst. Etliche Fußballplätze, ein Leichtathletikstadion, Schwimmbad, Radrennbahn, BMX-Bahn und wahrscheinlich noch mehr Anlagen, die ich gar nicht wahrgenommen habe.

Auf dem gefühlt größten Sportplatz hat man Platz geschaffen für eine Zeltstadt. Weiße Kreidelinien wurden gezogen, Stromkabel verlegt, Parzellen abgetrennt. Rund 800 junge Nachwuchs-Rennfahrer und –Rennfahrerinnen fahren hier eine Woche lang die „European Junior Cycling Tour Assen“ aus – eine ziemlich tolle Veranstaltung, glaube ich. Und die meisten von ihnen wohnen hier auf dem Platz. In winzigen Zelten, in mittelgroßen VW-Bussen oder in beeindruckenden Wohnmobilen mit Satellitenschüssel auf dem Dach.

Aber egal, ob im Turbo-Wohnmobil oder im Einmannzelt: Campen ist, nun ja, sicher etwas für Liebhaber. Eisenwade und Gummibein schwächeln spätestens an dieser Stelle extrem– na gut, eigentlich nur Gummibein. Wir haben uns daher eine kleine Pension gesucht. Nur zum Schlafen, klar. Bei den sintflutartigen Regenfällen vorgestern Nacht waren wir auch ganz froh darüber, etwas Festes über dem Kopf zu haben (obwohl unser 50-Euro-Tages-Zelt am nächsten Morgen noch stand und trocken war. Also: von innen).

Das etwas babylonische Sprachgewirr auf dem Platz taugt natürlich perfekt, um internationales Rennfeeling aufkommen zu lassen. Viele Engländer sind hier, natürlich die Holländer, Deutsche, und da hinten unter den Bäumen haben die Cannibal-Esten ihren Truck geparkt, aus dem sie ein Stockbett nach dem anderen gehievt und in das riesige Mannschaftszelt getragen haben. Profis eben. Genau wie der Achtjährige, den ich heute morgen beobachten konnte, der an seinem XXS-Rad die nagelneue SRAM-Red-Elektroschaltung hatte. Man merkt: Hier geht’s um die Wurst, hier trägt die Rennleitung Krawatte.

Heute früh gingt es los mit dem Prolog. Ein Mini-Zeitfahren, gerade mal 1,3 km lang. Da entscheidet sicher eine Sekunde über 5-8 Plätze. Was aber relativ egal ist, weil in den kommenden Tagen die Etappen so anspruchsvoll sind, dass mit deutlichen Minutenabständen zu rechnen ist.

Eisenwade ist leider immer noch kränklich. Die gesamte Tour stand ja auf der Kippe, aber weil weder Bakterien, noch Fieber im Spiel sind, sind wir trotzdem hier. Der kleine Mann hustet und rotzt noch ganz schön. Nachdem der Start nach den ersten Kategorien wegen eines massiven Gewitters abgebrochen wurde, mussten die Jungs vorhin mit einstündiger Verspätung auf die nasse Strecke, die zu allem Überfluss auch noch eine 180-Grad-Kurve aufwies, in der der Straßenbelag von Asphalt auf Kopfsteinpflaster überging. Von den ersten zwölf Fahrern kamen ganze zwei ohne Sturz durch, wie wir hörten. Einer von ihnen war RGH-Neuzugang Benet, der auch gleich eine Spitzenzeit hinlegte und jetzt ganz fieberhaft auf die Ergebnisse wartet. Bei Noah lief es nicht ganz so gut. Er fuhr zwar sehr vorsichtig und daher glücklicherweise sturzfrei – aber eben auch recht langsam und hatte unterwegs auch noch mit einem Hustenanfall zu kämpfen. Mal gucken, was nachher die Ergebnisse hergeben.

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Oderrundfahrt 2016

Spätestens an der letzten Steigung der Tour, am dritten Tag, auf der vierten Etappe, fielen die Fassaden. Zwei-, dreihundert Meter ganz schwer zu fahrendes Kopfsteinpflaster mit zweistelligen Steigungsprozenten, dann eine scharfe Rechtskurve und noch mal 150 Meter Kopfstein bergauf bis zum Ziel. Es kristallisierten sich heraus: die Stillen, die Aufgeregten und die Choleriker. Die Stillen sind häufig die Mütter, die leise mitleiden und sich auf die Unterlippe beißen, wenn der Sohn oder die Tochter sich mit 6 km/h ächzend oder vor Schmerz brüllend den Berg hinauf quält. Die Aufgeregten, zu denen zähle ich, sind die, die alle paar Sekunden nervös auf die Uhr schauen und von einem Fuß auf den anderen treten, als gelte es, mit den Füßen einen Waldbrand zu löschen. Müssten sie jetzt nicht langsam kommen? Warum kommen die noch nicht? Ob was passiert ist? Hoffentlich ist nichts passiert! Schnell noch den Zeigefingernagel abgekaut, der letzte, der noch dran ist. Dann kommt das Führungsfahrzeug, endlich. Die Führungsgruppe ist durch, gut, das sind die großen. Die zweite Gruppe kommt, auch große Fahrer und das Trikot des Führenden des jungen Jahrgangs. Dann eine quälend lange Lücke. Wann kommt er? Da! Die nächste große Gruppe! Da! Im gelben Trikot, da ist er, er schafft das! Und, klar, dann rufe ich auch: „Los Noah, super, du bist klasse, gib Gas, Hintern schön nach hinten!“

Und dann gibt es noch die anderen. Es sind nicht viele, aber doch ein paar. Die laufen den Berg hinauf, neben ihrer Tochter oder neben ihrem Sohn, und sie schreien ihr Kind an, dem die Tränen die Wangen runterlaufen: „Los jetzt, Feuer, jib allet, die kriegste noch, jetz jib mal Gas, dit wirste ja wohl schaffen, treten, TRETEN, TRETEN, los jetzt, da haste doch mehr druff, da vorne fährt XY, die/den holste dir jetzt, LOOOOOS!“

Es ist ein bisschen gruselig.

Ganz bestimmt projiziere auch ich einen Teil meines persönlichen Ehrgeizes in Eisenwade. Da muss man sehr aufpassen, das weiß ich, klar. Aber ich würde doch nie, nie, nie mein Kind, das sich irgendwo im Mittelfeld einen verdammten Berg hochquält, anschreien, wenn es bereits weint.

Am Streckenrand habe ich mich mit einigen Trainern unterhalten. Ich kenne ja in der Szene quasi niemanden, aber einige sagten sehr vernünftige Sachen, fand ich. Etwa: 60 Kilometer reichen im Training vollauf bei den jungen U15ern, alles andere ist Überforderung und macht es nur schwerer, später neue Reize zu setzen. Gekauft. Bei anderen musste ich mich wundern, wenn auch mit Verspätung. Dem Satz: „Die müssen sich zwischen Schule und Radsport entscheiden“, pflichtete ich entschieden kopfnickend bei, lernte aber kurz darauf, dass mein Gesprächspartner eine andere Entscheidung für selbstverständlich hielt als ich.

Na, ja, jeder so, wie er will und kann.

Die Kurzzusammenfassung der Oderrundfahrt: Wir waren aus meiner Sicht ein super Sechser-Team, ne gute Männertruppe bestehend aus Daniel, Hannes und Eisenwade, plus die Papas. Wir drei Väter waren auch rund um die Uhr gut beschäftigt, Langeweile kam jedenfalls nicht auf, und eigentlich haben wir sogar einen gut bei den Jungs, weil wir am zweiten Tag netterweise ihre Räder geputzt haben. Aber nur, weil wir Mitleid hatten – die Kerle waren nach zwei Etappen echt platt, so platt, dass einer in meinem Zweierzimmer und der andere noch nicht mal bis zur Verlängerung des Deutschlandspiels durchgehalten hat.

Daniel ist hervorragender Gesamtsechster geworden. Hannes, gut in Form, hatte auf der letzten Etappe großes Pech, wurde von so einem Luxemburger Idioten-Fahrer abgeschossen und musste das Vorderrad wechseln (ja, da waren wir nicht perfekt, das hat zu lange gedauert, sorry, Hannes), was ihn, weil er die Gruppe verlor, wahrscheinlich fünf oder sechs Plätze in der Gesamtwertung gekostet hat (nun gesamt 22.). Und Noah ist 39. geworden und 9. bei den jungen Fahrern. Das ist wirklich richtig toll, wenn man berücksichtigt, dass er auf der ersten Etappe über den Lenker gegangen ist, beim Zeitfahren noch mit Schmerzen zu kämpfen hatte, bei der dritten Etappe von mir gesagt bekommen hat, dass er die Höllenabfahrt bitte langsam fahren soll (gut, er wäre auch von sich auch nicht schnell bergab gefahren, ein paar Sachen müssen wir noch üben) – und erst am letzten Tag zeigen konnte, was er drauf hat. Ich jedenfalls platze vor Stolz und musste auf der ganzen langen Rückfahrt heimlich grinsen – und aus den Augenwinkeln konnte ich sehen: Der Kerl ist auch sehr, sehr zufrieden.

Ein tolles, langes Wochenende!

Danke an Sven für das Foto der drei Kämpfer! Gelbe Trikots vor wogendem Weizen – das ist Brandenburg.

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LVM in Rostock/Schwaan

Ob die Idee, schon am Vorabend nach Rostock zu fahren, um am Morgen etwas ausgeruhter zu sein, so richtig zielführend war – ich weiß es nicht. Unsere kleine Pension in einem Gewerbegebiet nahe dem Rostocker Hafen jedenfalls war zwar ebenso sauber wie hässlich – aber eben auch laut, direkt an einer befahrenen Straße. Eisenwade hat es in solchen Fällen leichter, weil er ja eh nicht so gut hört. Ich hingegen stand reichlich müde morgens um kurz nach neun Uhr auf einer großen Wiese in Rostock-Schwaan, die zum Parkplatz und Fahrerlager umfunktioniert war und versuchte, die Jungs herbeizustarren. Die waren nämlich überfällig. Vor mehr als 30 Minuten waren sie zur Streckenerkundung aufgebrochen. Aber die Runde war ja nur knapp 12 Kilometer lang. Wo blieben die bloß? Ich ahnte Schreckliches. Eisenwade kann man zwei Straßen Kilometer entfernt von unserem Haus aussetzen – er würde nie im Leben zurück finden. Den Orientierungssinn hat er von seiner Mutter. Sollten die vier Hamburger U15-Fahrer sich also verfahren haben? Ich gebe zu: Ich war etwas nervös. Und kurz davor, auch die anderen Eltern mit meiner Unruhe anzustecken, als endlich vier gelbe Punkte angerollert kamen. Damit war aber das Rollenprogramm gestorben – wir hatten uns ja vorgenommen, dieses Mal etwas früher an den Start zu gehen, weil Eisenwade nicht wieder als Letzter ins Rennen wollte. Sich früh in der ersten Reihe aufzustellen, sollte reichen, um auf Position 20 oder so das Rennen beginnen zu können, so die demütige Rechnung.

Wir waren also etwas spät dran, und das kam tatsächlich so:

Leider haben wir beim Streckeabfahren etwas die Zeit vergessen: Wir haben uns verfahren (wir sind schlauerweise ungefähr 3 Kilometer in die falsche Richtung gefahren, die wir dann auch noch zurückfahren mussten) und mussten noch diverse Pinkelpausen einlegen. Das alles hat ziemlich lang gedauert also hatten wir, als wir zurückkamen kaum noch Zeit (na ja, eigentlich überhaupt keine Zeit) uns noch auf die Rolle zu setzen. Viele Fahrer wollten sich schon für den Start bereit machen andere stiegen gerade von ihren Rollen ab. Und ich musste ja auch noch zur Übersetzungskontrolle (wo mich der Typ, der die Räder kontrollierte, nur wieder etwas argwöhnisch angeguckt hat, als ich gesagt habe, dass ich schon U15er bin) und dann direkt an den Start. Bei dem gab es diesmal zum Glück kein Vorrücken, dafür eine neutralisierte Phase von gut einem Kilometer, die die Fahrer auf die eigentliche Runde leiten sollte. Insgeheim hatte ich mich schon gefreut, aber spätestens, als es dann losging habe ich gemerkt, dass mir dieser Positionskampf am Anfang des Rennens auch nicht wirklich liegt. Na ja, das gesamte Rennen war dann eigentlich ziemlich langsam, so langsam, dass es sich streckenweise gar nicht wie ein Rennen anfühlte und so mancher U13er dem Tempo hätte folgen können. Allerdings wurde die Spazierfahrt hin und wieder von ein paar Attacken unterbrochen, trotzdem kam niemand weg und das Feld blieb zusammen. Ich selber habe übrigens auch mal probiert, vorne Gas zu geben und dadurch vielleicht das Feld zu teilen, aber auch das ist nicht gelungen. Ich wurde schnell wieder abgelöst und hab mich dann fast die ganze Zeit an die RG-Hamburger und an Max David Briese aus Rostock gehalten, mit dem ich so ziemlich auf einem Niveau fahre. Na ja, eher habe ich das versucht, ich kam einfach mal wieder nicht zurecht mit dem großem Feld und wurde ständig nach hinten durchgereicht, kaum hatte ich mich mal etwas vorgearbeitet. Eine halbe Runde oder so habe ich an vierter, fünfter Position fahren können, mehr leider nicht. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, irgendwann noch mal was zu wagen, aber das war leichter gesagt als getan: Ich hatte hammergute Beine, und ich glaube von der reinen Kraft her hätte ich vielleicht sogar ein paar der älteren Fahrer hinter mir gelassen aber ich fand einfach keine Lücke, durch die ich eine Attacke starten könnte.

Na ja, das Rennen war sonst eigentlich nicht so interessant, es wurde drei Runden lang ziemlich gebummelt und alle wollten sich für das Finale schonen. Viele hatten sicher auch das Rennen vom Vortag in den Knochen, das ich ja ausgelassen hatte. Leider ist relativ am Ende der letzten Runde direkt vor mir jemand gestürzt und ich musste stark abbremsen. Zum Glück ist dabei nichts ernsthaftes passiert, ich glaube, alle Beteiligten konnten weiterfahren. Ein paar Fahrer waren aber auch noch vor den gestürzten und waren denen, die ausweichen mussten, dadurch um einige Meter voraus. Ich konnte den Anschluss an die erste Gruppe aber schnell wieder herstellen, weil vorne immer noch langsam gefahren wurde. Erst auf dem letztem Kilometer ging dann vorne richtig die Post ab und die Gruppe hat richtig Gas gegeben. Ich kam leider unübertreffbar schlecht um die letzte Kurve und wurde deswegen am Ende im etwas lang gezogenen Hauptfeld 14. anstatt wie heimlich angestrebt 7.. Na ja, da ist durchaus noch Luft nach oben… Ich glaube, ich muss einfach noch mehr Erfahrung bei großen Rennen sammeln und noch mehr lernen, mich im Feld vorzuarbeiten. Das Rennen selbst ist zwar im Endeffekt nicht so gut gelaufen wie gewünscht, aber es hat mir trotzdem gezeigt, dass meine Form momentan ziemlich gut ist und dass ich vor allem noch an der Taktik arbeiten muss. Deshalb geht’s auch am Mittwoch zur Radrennbahn, wo dann der nächste Lauf zum Bahnpokal stattfindet. Ich glaube, die Bahn ist ganz gut, um diese Positionskämpfe zu üben. Na ja, immerhin bin ich nicht gestürzt und ganz Okay im Mittelfeld angekommen. Gewonnen hat übrigens Jasper! Gückwunsch!!!

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