Stevens Cup in Büdelsdorf

Hinterher fiel dann doch irgendwie eine Last von ihm ab. „Endlich mal wieder gewonnen!“ – das war ein regelrechter Stoßseufzer von Eisenwade, gestern in Büdelsdorf. Der Kerl war hinterher so erleichtert und so gut drauf, dass er sogar freiwillig die vereinbarten 20 Prozent seiner Siegerbörse (also: ein Schokoriegel und ein Karamellbonbon) rausrückte. Da bin ich ja zuletzt nicht so verwöhnt worden. Die Straßensaison lief ja im ersten Jahr U15 nur so mittelmäßig bei Eisenwade –  dass er jetzt im Cross wieder regelmäßig auf dem Treppchen steht, ist natürlich super fürs Selbstbewusstsein und meinen Zuckerhaushalt. Und gestern war dann auch der bärenstarke Ben nicht am Start – da gab’s also eine reelle Chance auf den ersten Platz. Allerdings ist ja auch Maxi in diesem Jahr ein Gegner, an dem man sich die Zähne ausbeißen kann – da wird jedes Büdesldorfer Karamellbonbon neidisch. Jedenfalls: Die beiden schenkten einander auch gestern mal wieder nichts, mal führte der eine, mal der andere. Und hatte Eisenwade beim Warmfahren jegliche Schwierigkeiten des (sehr schönen, wie ich fand) Rundkurses mit Bravour gemeistert, leistete er sich im Rennen dann auch noch ein paar Fahrfehler. Aber am Ende hat es gereicht, auch wenn Noah nach wie vor findet, dass ihm irgendwie die Kraft fehlt – oder die anderen Fahrer inzwischen einfach mehr Power oder andere Hebel haben. Schade nur, dass der Drittplatzierte nicht zur Siegerehrung kam – so sehen die zwei ein bisschen verloren aus, da oben, im Eiswind von Büdelsdorf. Dennoch: dicken Glückwunsch!

Am nächsten Wochenende finden die Nordmeisterschaften in Zeven statt und am Tag davor natürlich der Weltcup – das wird sicher grandios.

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Arriba! Cross in Norderstedt

Nach einer kleinen Pause ging’s heute weiter mit dem Stevens Cup, dieses mal in Norderstedt. Wir mussten um acht Uhr aus dem Haus, was eigentlich okay war, ich war aber trotzdem nicht ganz wach, als wir ins Auto stiegen. Ach ja, Emilia, meine kleine (na ja, von der Körpergröße her größere) Schwester ist auch mehr oder weniger freiwillig mitgekommen, Premiere in diesem Jahr. Die hat ja eigentlich nichts fürs Radfahren übrig, aber wollte nach dem Rennen unbedingt zum Reitstall gefahren werden und brauchte deshalb jemanden, der sie da hin bringt, in dem Fall Papa. Das wiederum hieß, dass Papa heute kein Rennen fahren konnte, was er, glaub ich, auch nicht sonderlich bedauerte. Um ehrlich zu sein, war auch ich ganz froh darüber, weil ich keinen Bock hatte, noch drei Stunden länger in dieser Kälte rumzustehen. Es war nämlich wirklich eiskalt.

Als wir da ankamen, wo uns das Navi hingeführt hatte (zum Arriba Hallenbad) sahen wir weit und breit nichts, was nach Radrennen aussah, wir waren also falsch. Ich hab mich schon gefragt, ob es wieder so wie vorletztes Jahr ist (da saßen wir  ziemlich früh am Morgen fertig umgezogen am Frühstückstisch, alle Sachen schon gepackt – und dann hat Papa gemerkt, dass das Radrennen in Hannover schon am Tag zuvor war) und das Rennen vielleicht schon gestern war. Nach einer halben Ewigkeit, Whatsapp-Hilfe von Frederik  und 10000 Flüchen von Papa haben wir dann doch den richtigen Austragungsort gefunden. Es gibt offenbar noch ein zweites Arriba im Stadtpark Norderstedt. Wir sind dann wegen der verlorenen Zeit direkt auf die Strecke zum Warmfahren gefahren, vor allem weil ich sie ja noch nicht kannte. Es kam raus: extrem, wirklich extrem einfacher Kurs, eigentlich nur Geraden, vielleicht ein zwei Hügel und ne mittellange aber nicht so komplizierte Sandpassage (Sand kann ich seit Oles Training auch wirklich etwas besser), das wars. Jedenfalls kam mir das Rennen überhaupt nicht entgegen, das waren einfach viel zu viele Geraden, auf denen nichts als Kraft zählt. Ich mag halt lieber diese Singletrail-Passagen, auf denen’s etwas knifflig wird und berghoch geht … Emilia haben Papa und ich im Auto gelassen, mir wär bestimmt langweilig gewesen, da nur rumzusitzen, doch sie hatte ihr Handy dabei und es war ruhig.

Danach wärmten Papa und ich uns noch drei Minuten in so einem Restaurant in der Nähe der Nummerausgabe auf und rollten dann allmählich zum Start. Als wir uns aufstellen sollten und Papa mal wieder darauf bestand, dass ich meine warme Jacke auszog, war mir dann echt kalt. Nach dem Startpfiff war es aber schon ein bisschen besser. Ziemlich schnell bildeten sich dann auch die ersten Gruppen, Ben war natürlich wie immer erster, dann kamen Maxi und ich. Wir fuhren eigentlich die ganze Zeit zusammen, die erste Runde ziemlich schnell, dann belauerten wir uns aber nur noch die ganze Zeit. Wir fuhren teilweise so langsam, dass ich Angst hatte, die anderen würden von hinten aufschließen können. Das war dann aber nicht der Fall und ich konnte Maxi auf der Zielgeraden noch besiegen und wurde zweiter. Er ist aber echt gut gefahren, vor allem in der ersten Runde hatte ich Mühe, an ihm dranzubleiben. Nach dem Zieleinlauf hab ich mir dann erstmal meine beiden Jacken übergeworfen und habs auch nicht zu Stande gebracht, sie zur Siegerehrung wieder auszuziehen, so kalt war mir. Immerhin, der Aufwand hat sich gelohnt: Ich bin jetzt einen Pokal reicher und auch von Stevens-Kappen und -Flaschen kann man nie genug haben. Außerdem gab’s als Preis noch eine Tasse, natürlich mit Stevens-Aufschrift und einen riesigen Stevens-Aufkleber dazu! Papa sagt aber, er will nicht, dass wir den ans Auto kleben. Schade.

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Danke an Marc für dieses Foto! Ab und zu musste man auch schieben!

Stevens Cup in Kiel

Fazit des heutigen Tages: Das Training mit Ole hat geholfen!

Heute war ja Renntag in Kiel, allerdings ging nur Eisenwade an den Start. Wir hatten das ganze Haus voll mit Familienbesuch, da hätte ich es als sehr unhöflich empfunden, wenn wir erst am Nachmittag zurück gekommen wären. Und der Besuch wahrscheinlich auch. Außerdem hatte ich die beiden Tage zuvor schon Kampfgeist, Durchhaltevermögen und erstaunliche Nehmerqualitäten am Tisch und im Weinkeller gezeigt und hätte mich eh nicht für renntauglich befunden.

Eisenwade hingegen hatte am Vortag bei seiner kleinen Vorbelastung schon bewiesen, dass er momentan ganz gut drauf ist, deshalb brachen wir morgens um halb acht – dank der Zeitumstellung war das sogar ganz easy – ganz zuversichtlich nach Kiel auf. Außerdem wussten wir ja, dass die recht hügelige Strecke mit den beiden knackigen Anstiegen ihm ganz gut liegt. Das gemeinsame Warmfahren lief auch super – aber beim anschließenden Warten auf den Start merkte ich, dass irgendetwas nicht stimmt. Eisenwades Gesichtsfarbe veränderte sich ein wenig in Richtung Schichtkäse, und der Kerl wurde immer stiller. Ich kann den ja lesen wie ein Buch. Da war also was im Busch. Und in der Tat, auf Nachfrage verriet er mir, es gehe ihm nicht sonderlich gut. Dass der kranke Lieblings-Cousin zu Besuch war, zeigte offenbar Wirkung. Und wenn Noah krank wird, dann geht das immer recht flott. Ich hätte an dieser Stelle auch abgebrochen, aber Noah wollte unbedingt fahren.

Nach eher mäßigem Start kam er nach der ersten Runde als Vierter in den Start-/Ziel-Bereich, mit verzerrtem Gesicht, er hat sich echt gequält, das konnte man sehr gut sehen. Aber dann geschah das Wunder: An den ersten Hindernissen ÜBERHOLTE er einen vor ihm fahrenden Kollegen. AM HINDERNIS! Und auch das nächste Hürdenpaar bewältige er bravourös, so wie er es bei Ole gelernt hat: Etwas früher vom Sattel, dafür mit hohem Tempo anrollen, konzentrieren und hopp. Die engen Kurven vor den Hürden durchfuhr er ebenfalls recht flott – also Volltreffer!

Am Ende kam sogar Platz drei heraus – aber auf der letzten Rille. „Keine Kraft, kein Druck“, klagte er. Ich habe dann direkt nach der Siegerehrung einen total angeschlagenen, aber dennoch halbwegs zufriedenen Krieger nach Hause chauffiert. Platz zwei war heute nicht drin. Nun sehen wir mal, ob wir das mit literweise Ingwertee und einer ordentlichen Portion Wildschweingulasch mit Spätzle wieder irgendwie hinbekommen.

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Techniktraining mit Ole Quast

Nach meinem letzten Blogbeitrag über das Rennen in Neumünster hat sich Ole Quast bei Papa gemeldet. Ich hatte da ja etwas gejammert, weil mir der tiefe Sand so schwer fiel, und Ole sagte zu Papa, da brauche ich wohl mal ein bisschen Training. Ole hat ja bei Papa schon mal die Sitzposition kontrolliert, um auszuschließen, dass es an einer falschen Einstellung liegt, dass Papa so Probleme mit dem linken Bein hat. Jedenfalls habe ich mich riesig gefreut und war auch ziemlich ehrfürchtig, weil die Liste von Oles Erfolgen noch viel länger ist als die von Papas nicht beendeten Rennen riesig ist! Unter anderem war er zweimal deutscher Meister im Cross! Und außerdem ist er total nett und kann gut erklären. Wir haben uns in Niendorf getroffen, und dann ging’s sofort los.

Zuerst haben wir so eine Übung gemacht, bei der man beim Fahren mit den Fingern den Boden berühren sollte. Also, damit man erstmal ein Gefühl fürs Rad kriegt und flexibler wird und so weiter. Ich jedenfalls konnte das zuerst überhaupt nicht gut – bis Ole mir den Tipp gegeben hat, es bei größerer Geschwindigkeit zu versuchen. Na ja, perfekt war’s dann trotzdem noch nicht. Aber Papa hat’s überraschenderweise sogar hingekriegt. Hut ab!
Bei der nächsten Übung ging es einfach nur darum, Kreise zu fahren. Aber so leicht wie es sich anhört, ist das meistens gar nicht. Ich hab nämlich immer Probleme in diesen engen Kurven, weil ich da oft zu langsam bin. Also haben wir aus Trinkflaschen einen Kreis gelegt und sind immer drumherum gefahren. Nach gefühlten 3674 Umdrehungen war mir dann doch etwas schwindelig und der Rasen sah auch nicht mehr so toll aus. Aber dafür hat mir Oles Tipp, den Schwerpunkt hinten zu haben und weniger mit dem Lenker zu lenken sondern mehr mit Gewichtsverlagerung echt was gebracht. Auf jeden Fall werde ich diese beiden Übungen immer mal wieder ins Training einbauen. Nach den Kreisen sind wir noch ein bisschen durch richtig tiefen Sand gefahren und haben Auf- und Absteigen geübt, was auch sehr viel Spaß gemacht hat. Ole hat uns gezeigt wie man’s richtig macht (Mit ungefähr 80 km/h rein da, Absteigen, Aufsteigen, Fertig). Wenn man nur auf seinen Kopf geguckt hat, während er vom Rad steigt und dann wieder aufspringt, sieht man das gar nicht. Der macht das einfach in der gleichen Geschwindigkeit! Na ja bei uns sah das noch nicht so super aus, aber ich glaube, mit ein wenig Übung können auch Papa und ich das lernen.
Ein weiteres Problem, dass ich beim Crossen habe, sind ja die Hürden, und deshalb sind wir auch ein bisschen auf einer großen Wiese rumgefahren und haben auf-und absteigen geübt. Das klappt bei mir ja eigentlich ganz gut. Das schwierige, finde ich, ist vor allem das Tragen. Später sind wir dann auch nochmal in die Nähe des Flughafens gefahren und haben uns dort eine echte Hürde gesucht. Leider haben wir keinen Baumstamm oder so gefunden, also hat Ole einen dicken Ast aus dem Gebüsch gezerrt und ihn quer über den Weg gelegt, so dass man darüber springen oder sein Rad darüber tragen kann (er: springen, wir: tragen) Dann sollte ich ein paar mal über unsere Hürde rüber, was leider nur so mäßig gut geklappt hat. Na ja, gegen Ende hin hab ich’s doch ganz gut hinbekommen.
Auf jedenfall war das n‘ super Training und ich hab viele Sachen gelernt. Ole hat mir viele Sachen nämlich ganz anders erklärt als Papa, sodass ich jetzt ein paar Sachen besser kann oder zumindest weiß, wo es noch nicht so gut läuft und was ich noch trainieren muss. Danke, Ole! Mal gucken, ob ich am Wochenende in Kiel das eine oder andere umsetzen kann.

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Kaltenkirchen und Norderstedt – Stevens Cup

Am letzten Wochenende standen gleich zwei Rennen auf dem Programm, was etwas fies ist, weil man dann an KEINEM Tag ausschlafen kann. Aber immerhin mussten wir nicht nach Mecklenburg-Vorpommern (so wie vor zwei Jahren, das war wirklich hart), sondern nach Kaltenkirchen und Norderstedt, das ist zum Glück nicht so weit.

Samstag sind wir um halb acht los und haben, als wir angekommen waren, erstmal unsere Räder zusammengebaut. Zum Glück war gutes Wetter. Danach ging’s auf die Rennstrecke. Eigentlich war das ja ’n ganz schöner Kurs, an einem Baggersee entlang und durch den Wald, mit ein paar tricky Passagen und einem echt steilen Berg. Aber mir lag die Strecke überhaupt nicht: Es gab ungefähr drei kleine Sandpassagen und eine in der doppelten Größe der Sahara. Die machten mir das Leben schwer. Ich kam einfach überhaupt nicht durch den tiefen Sand und die lange Gerade, die danach folgte war auch nicht das tollste, weil man nach dem Sand echt platt war. Da hab ich einfach nicht genug Kraft. Und über die Hürden kam ich auch mal wieder nicht so richtig rüber … Einen Podestplatz hatte ich eigentlich schon abgeschrieben, vor allem als ich gehört hatte, dass einige Fahrer doch tatsächlich durch dieses große Sandstück fahren. Also: FAHREN, nicht schieben. Ich ging dann recht deprimiert an den Start – und kam als zweiter durch die erste Kurve! Als ich angetreten hab – Kette ganz rechts und schön mit Druck, dachte ich mir  „Ui, jetzt läufts aber gerade richtig bei mir“ –  bis ich Ben gesehen hab (wenn der mitfährt, ist der erste Platz schon vergeben!), der scheinbar mühelos ungefähr 200 Watt mehr aufs Pedal bekommen hat als ich und schon am Ende der ersten Gerade 50 Meter Vorsprung hatte.
Na ja, und dann kamen irgendwann die ersten Hürden, an denen mich dann die meisten überholt haben, weil ich da so viel Zeit verliere. Weil ich so klein bin, muss ich das Rad immer schultern, sonst donnert es gegen das Holz, das kostet einfach Zeit. Ben SPRINGT da übrigens drüber. Durch den Sand kam ich dann aber doch ganz gut und auch der Rest war nicht wirklich ein Problem. Die nächsten Runden verliefen eigentlich immer gleich: Vor den Hürden hab ich Vorsprung herausgefahren und danach waren die anderen wieder dran. In der letzten Runde hatte ich aber Glück, denn der Fahrer, der mir dicht auf den Fersen war, ist den letzten Berg nicht gut hochgekommen, so dass ich als zweiter ins Ziel kam. Bei der Siegerehrung war ich mal wieder der Kleinste auf dem Podium, aber das kennt man ja schon.
Danach gabs noch Kinderpunsch und ne Wurst (nur deswegen mach ich den Sport ja) und natürlich die anderen Rennen, die sehr spannend waren. Ach ja, Papa wollt sich ja unbedingt auch noch mal blamieren und hatte vor, im Lizenzrennen zu starten, das ungefähr zwei Stunden nach meinem Rennen stattfand. Letztes Mal in Mölln lief es ja recht gut für ihn und er war auch sehr zufrieden und super-motiviert aber dann stand er in Kaltenkirchen am Start und klagte über Rückenschmerzen und seine verdammte Linkes-Bein-Schwäche. Wahrscheinlich ne Erkältung im Anmarsch (kein Wunder wenn man auch immer darauf besteht, bei solchen Temperaturen Kurz-Kurz zu fahren). Na ja, das Rennen war dann ziemlich schnell vorbei für ihn, nach der ersten Runde tat das Bein so doll weh, dass Papa aussteigen musste. Ich hab’s ihm auch abgenommen. Also, nicht das Bein, aber dass es einfach nicht mehr ging. Dann war er sehr frustriert und es ging direkt nach Hause. Also ich glaube ja, dass Papa ne Erkältung hat und deswegen solche Probleme hatte. Außerdem war der Kurs ja überhaupt nicht nach seinem Geschmack. Diese kurzen aber total harten Belastungen kann er einfach nicht.

Am nächsten Tag war dann ja noch ein Rennen und zwar in Norderstedt. Die Strecke kannte ich schon (na ja, mehr oder weniger: Das war das Rennen, bei dem ich letztes Jahr aus Versehen ins Depot abgebogen bin). Da hat alles ganz gut geklappt. Die Strecke liegt mir, glaub ich. Ich hab auch ausnahmsweise mal einen guten Start erwischt (das am Samstag war pures Glück, denke ich) und bin sogar noch eine Weile nach der ersten Linkskurve an Ben drangeblieben, der mal wieder Erster war. Aber dann war ich doch etwas übermotiviert und bin viel zu schnell in die eine Kurve gefahren, weil ich ja unbedingt dranbleiben wollte. Jedenfalls hab ich total viel Zeit verloren und alle hinter mir konnten zu mir aufschließen. Also das hätte ich echt nicht gedacht: Dass ICH mal eine KURVE zu schnell anfahre … Ganz neue Erfahrung. Auf jeden Fall hatte ich auf einmal die ganzen Leute im Nacken und irgendwann wurde ich auch überholt. Den Rest des Rennens bin ich mit Maxi, meinem Teamkollegen gefahren, der mich von hinten überholt hatte. Wir haben uns dann etwas abgesetzt und ich fand das sehr praktisch dass ich einen vor mir hatte: Erstens, weil Maxi ja weiß, wo man langfahren muss, wenn man nicht ins Depot will. Und zweitens, weil er technisch echt richtig gut geworden ist und ganz gut vorgibt, wie schnell man wo fahren kann. Auf der Schlussgeraden konnte ich ihn dann noch überholen, so dass ich am Ende wieder Zweiter wurde. Damit bin ich jetzt auch auf Platz zwei in der Gesamtwertung des Stevens-Cup.

Wir haben uns dann noch einige Rennen angeguckt, und vor allem die U17-Fahrer sind sehr beeindruckend. Falls ich es je schaffe, so locker mit dem Rad über eine Hürde zu springen wie Jasper, dann … – weiß auch nicht, fallen wahrscheinlich Weihnachten und Ostern auf einen Tag.

Papa ist übrigens nicht mitgefahren und humpelte da so rum. Aber heute auf der Rolle (wir sind 4 x 4 Minuten Intervalle gefahren) ging’s wohl wieder etwas besser, sagte er. Na ja, geschnauft hat er aber schon …

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Stevens Cup in Mölln, die Sicht des Alten

Der alte Mann zupfte mich am Ärmel. Ich schaute ihn an, hinter seinen Brillengläsern tränten zwei entzündete Augen. „Was ist denn hier bloß so interessant?“ fragte er und deutete auf die wellige Sandlandschaft vor ihm, die durch rot-weißes Flatterband in eine Art Labyrinth verwandelt worden war. Ich verstand die Frage nicht recht. „Also“, hob ich dann an, „die Radfahrer. Da vorne, die fahren ein Rennen im Dreck. Wissen Sie, das sieht so einfach aus, ist es aber nicht. Und die Menschen hier“, ich drehte mich um und staunte – tatsächlich standen bestimmt 70 bis 100 Leute im Umkreis von 20 Metern – „die Leute hier haben wohl irgendwie mitbekommen, dass die Veranstaltung schon letztes Jahr ziemlich klasse war und gucken daher auch dieses Mal wieder zu.“

„Ja, ja“, sagte der Mann, „letztes Jahr war weniger los. Aber heute ist das wirklich erstaunlich. Das war ja auch sicher viel Arbeit, diese Strecke hier vorzubereiten. Aber wenn eine Veranstaltung so gut angenommen wird, dann geben wir unser Gelände auch gerne her.“

Der Herr neben mir stellte sich dann als ein Vorstand der Motorsportler vor, die normalerweise in Mölln mit Motorrädern und Geländebuggys über die Buckelpisten ballern. Ich erzähle das so ausführlich, weil der Mann in einem völlig richtig lag: Eine richtig tolle Veranstaltung war das, die die Piraten da auf die Beine gestellt haben.

Der Buckelpistenkurs war im Vergleich zum Vorjahr etwas verändert – und mangels Regen war es nicht so matschig. Mit Schaudern erinnerte ich mich noch bei der Anfahrt an die Pfützen groß wie Australien, um die man letztes Jahr bestenfalls einen großen Bogen machte, wenn man nicht versinken wollte. In diesem Jahr hatte ich für den Fall der Fälle vorgesorgt und war für 12,95 Euro im Baumarkt gewesen. Die Wunderwaffe: mein neues Neptun-500-Pumpdings. Andere besprühen damit ihre Rosen, ich nun unsere Räder. Damit kurz vorm Start nicht noch der ganze Schmodder vom Warmfahren dranhängt.

Beim ersten Strecken-Check merkte ich schon, dass Eisenwade hier und da etwas Boden verlor. Enge Kurven und steile Abfahrten sind nicht so seins (Sand hingegen schon). Immer, wenn die Strecke kleinteilig und knifflig wird, hat er Probleme – aber wir hatten in diesem Herbst auch noch so gut wie keine Gelegenheit, mal ein bisschen zu üben. Und Eisenwades Rad ist immer noch ganz schön groß. In den vergangenen Monaten hat ihn beim Wachsen der Ehrgeiz nicht übermäßig geritten. Mickrige 2,5 Zentimeter konnten wir den Sattel höher stellen. Aber immerhin.

Dennoch hatte ich kaum Erwartungen als die Jungs sich zum Start aufstellten. Das übliche Gejaule von wegen „zu kalt“ hab ich übrigens einfach ignoriert – immerhin hatten wir noch rund 14 Grad. Was will der Kerl denn im Winter sagen? Und überhaupt: Wenn hier einer wegen Kälte jammern darf, dann ich.

Eisenwade fuhr dann aber sehr ordentlich. Erwischte einen mäßigen Start und holte dann mächtig auf und kam auch Platz zwei stetig näher – zog es dann aber vor, sich in einer verhältnismäßig einfach zu fahrenden 180-Grad-Kurve hinzulegen. Honk! Am Ende war’s Platz drei, was mich wahnsinnig für ihn freut, weil er endlich mal wieder auf dem Podium stehen durfte. Nach der langen Durststrecke war das Balsam für seine zarte Seele, glaube ich. Und die gewonnene Piraten-Spardose füllt er hoffentlich mit künftigen Preisgeldern.

Danach war ich dran. Angesichts meiner aktuellen Leistungen hatte ich eigentlich in der Hobby-Klasse starten wollen. Aber weil Noah beim Stevens Cup stets um 10 Uhr startet, die Hobby-Fahrer aber erst um 15.30 dran sind und das alles in allem ein suboptimales Timing ist, beschloss ich auf der Hinfahrt, mich doch wieder bei den Lizenzfahrern einzuschreiben. Also um 12.20 Uhr zu starten. Was bedeutet, dass ich meine Lizenz wohl doch noch mal ein Jahr verlängern werde. Vom Termindruck dorthin getrieben – so läuft’s nämlich! Einerlei – ich hatte zuletzt das Gefühl, wieder ganz gut drauf zu sein, und nachdem ich im vergangenen Jahr immerhin Vorletzter nicht Letzter geworden war, hatte ich die Hoffnung, es in diesem Jahr noch etwas besser machen zu können. Außerdem war ich ja beseelt von Noahs Treppchenplatz, also schon mal prinzipiell gut drauf.

Der Kurs war zum Glück nicht so wahnsinnig anspruchsvoll, was mir sehr entgegen kam ziemlich knifflig mit all dem Sand. Nach einem wie immer miesen Start fing ich dann aber einige Fahrer wieder ein, einen nach dem anderen. Das linke Bein tat wie immer irre weh – aber momentan ist das rechte so stark, dass ich trotzdem schnell fahren kann. Limitierend war vor allem mein schlechtes Bike-Handling und meine Kurven-Angst. Und natürlich meine lausige verbesserungswürdige Technik an den Hindernissen. Dennoch fuhr ich am Ende immerhin auf den 17. Platz (von etwa 25), was sich für mich wie ein Sieg anfühlte. Durchgefahren – und noch nicht mal schlecht! Außerdem hatte ich Platz 16 direkt vor mir, und ich glaube, wenn so ein Rennen zwei Stunden gehen würde, fänd ich das alles noch besser. Insofern vielleicht doch nicht schlecht, bei den Lizenz-Rentnern mitzufahren, da sind die Rennen ja etwas länger als in der Hobbyklasse. Ich hatte auch ganz vergessen, wie toll es ist, wenn man sich beim Crossen ein kleines Duell mit einem anderen alten Sack Zausel Fahrer liefert – egal, um welchen Platz es geht. Es bringt einfach höllischen Spaß. Na gut, solange es nicht zu kalt ist, es nicht regnet, kein Schnee liegt oder sonst irgendwelche Wetterverhältnisse herrschen, die alle außer mir herbeizusehnen scheinen.

Ganz großartig dann die Siegerehrung, bei der alle Fahrerinnen und Fahrer eine Medaille erhielten, selbst wenn sie mit einer falschen Startnummer gefahren waren, und die Platzierten diesen lustigen Spardosenpokal. Ich glaube, einen gelungeneren Auftakt für die Rennserie hätte man nicht malen können. Dass die freundlichen Damen, die meine Nachmeldung handschriftlich entgegen nahmen, nun daran beteiligt sind, dass ich im Ergebnis als Fahrer der RG Ulm auftauche – geschenkt. Ich kann meine Sauklaue auch bereits fünf Minuten später nicht mehr lesen. Großer Dank an die sympathischen Ausrichter – und natürlich auch an Stephan Sturm, Lorraine Schröder und René Jacobs. Das Alles war ein bisschen wie nach Hause kommen. Ich freu’ mich aufs nächste Wochenende! Die Latte liegt hoch!

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Stevens Cup, erster Lauf in Mölln

Nach der Straßensaison kommt das Fahren im Gelände: Die Cross-Saion geht los. In diesem Jahr fahre ich wieder den Stevens Cup mit. Also: So viele Rennen wie möglich. Papa hat schon gesagt, dass er in diesem Jahr nur wenig Lust hat, „gefühlt nach Polen“ zu fahren. Ich glaube, er meint das Rennen in Mecklenburg-Vorpommern für das man sehr früh aufstehen muss. Heute ging es zum Glück nur nach Mölln. Ein Rennen, das auf einer Motorcrossbahn stattfindet.

Letztes Jahr war es dort ja sehr matschig und voller Schlamm, deshalb hat Papa vorgesorgt und mir heute morgen seine neueste Anschaffung präsentiert: Ein mobiler Gartenschlauch, Modell Neptun 500. Damit kann man einfach den ganzen Schlamm vom Rad abspritzen ohne dass man einen Wasseranschluss braucht. Na ja, als wir in Mölln angekommen sind, hat sich dann herausgestellt, dass die Strecke eigentlich überhaupt nicht matschig war, wahrscheinlich weil es nicht geregnet hat.
Wir haben also geparkt, die Räder rausgeholt, die Startnummer FRÜHZEITIG drangemacht (Letztes Jahr hatten wir das ja vergessen) und sind erstmal ein paar lockere Runden gefahren. Der Kurs war etwas verändert gegenüber letztem Jahr, den Großteil sind wir aber schon letztes Jahr gefahren. Das schwierige an der Strecke waren vor allem die engen Kurven und der viele Sand (der Matsch vom letztem Jahr). Ich hatte halt dieses Jahr noch nicht wirklich die Gelegenheit, Crosstechnik zu trainieren weil ich erst zwei oder drei mal richtig mit dem Crosser unterwegs war.
Trotzdem war das heute eine schöne Strecke, die nicht zu schwer und nicht zu leicht war und mir eigentlich gut gefiel. Nach dem Strecke angucken hatten wir noch reichlich Zeit, weil wir heute aufs Rollefahren verzichtet haben. Papa meint, beim Cross wird das total überbewertet, genau wie das Bremsen. Wenn Papa bei seinem Rennen weniger gebremst hätte, dann wär der sicherlich auch weiter vorn gelandet...
Außerdem lautet Papas Devise bei niedrigen Temperaturen offenbar immer noch: „Lieber schon 30 Minuten vor dem Start die Beinlinge ausziehen, dann friert man noch mehr als sowieso schon. Schaden kann’s nicht“ Und dann noch: „Jetzt wo du deine Beinlinge ausgezogen hast, kann ich dich ja gleich noch mit meinem Öl einreiben“. Also hat der Alte sein Wunderfläschchen (dass er inzwischen am liebsten für mich und nicht für sich selbst benutzt) ausgepackt und meine Beine mit dem Inhalt eingecremt. Na ja, wenigstens war mir danach nicht mehr ganz so kalt.
Als das Rennen eine Weile später dann endlich losging, hatte ich einen ganz guten Start, welcher mir schon relativ früh zum dritten Platz verhalf. Den hab ich auch die folgenden zwei Runden verteidigt und war drauf und dran, auch noch den Zweiten einzuholen. Leider bin ich dann in der nächsten Runde in einer der vielen Kurven gestürzt – mir ist nicht viel passiert aber bei meinem Rad war die Kette runtergefallen. Und die wieder aufs Kettenblatt zu tun, hat mich echt Zeit gekostet, sodass mich drei Fahrer überholt haben, von denen allerdings zwei gar nicht in meiner Altersklasse waren. Als ich wieder auf dem Rad saß, kam ich ziemlich schnell wieder an meine Konkurrenten heran und habe auch alle bis auf einen der Hobbyfahrer wieder eingeholt.  Aber der zweite Platz war natürlich nicht mehr zu holen. Die restlichen Runden habe ich meinen Vorsprung als Dritter dann wieder ausgebaut und bin auch auf der Position ins Ziel gekommen.
Bei der Siegerehrung gab es diesmal eine etwas außergewöhnliche Trophäe: Ein farbenfroher Pirat kombinert mit einem Sparschwein und natürlich eine Medaille inklusive Piratenbraut als Motiv. Und die wichtigste Belohnung: Ein schönes Crepe mit ordentlich Nutella drauf, um die verbrannten Kalorien wieder auszugleichen.

Papa und ich haben uns dann in der Zeit bis zu seinem Rennen noch die anderen Altersklassen angeschaut, unsere beiden Räder mit dem mobilem Gartenschlauch abgespritzt und Papa hat ungeduldig auf seine Demütigung gewartet. Der alte Tiefstapler hat schon, bevor wir in Mölln angekommen waren, dauernd eingebracht, dass er ja eh Letzter wird und dass er generell kein Cross fahren kann und so weiter. Na ja, in der ersten Runde nach seinem Start war er tatsächlich fast Letzter aber dann hat Papa einen nach dem anderen eingeholt, überholt und abgehängt. Als ich Papa dann bei den folgenden Runden an verschiedenen Abschnitten der Strecke anfeuerte, machte mich eine Frau, die neben mir stand, darauf aufmerksam, dass Papa „irgendwie eine andere Nummer hat als die anderen“. Ich meinte daraufhin: „Nein, das kann nicht sein, das ist uns letztes Mal schon passiert, sowas wiederholt sich nicht!“, doch als ich auf Papas Rücken geschaut habe, entdeckte ich dort tatsächlich MEINE Nummer! Es wiederholt sich also doch. Zum Glück war das für die Organisatoren kein großes Problem, die kennen ihn ja… Papa ist das Rennen also mit meiner Nummer zu Ende gefahren und er hat im Ziel bestimmt fünf oder sechs Fahrer hinter sich gelassen, worauf er nach bestandenem Zieleinlauf auch sehr stolz war.

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Großer Preis von Volksdorf

Wir sind ja gerade aus unserem Urlaub in den Pyrenäen zurückgekommen, und der war radfahrtechnisch, na ja… ein bisschen durchwachsen. Es lief an manchen Tagen recht gut (ich hab Papa am Tourmalet 6:00 Minuten abgenommen, ok, was heißt das bei Papa schon?), aber irgendwie war ich die ganze Zeit über nicht richtig in Form, und an manchen Tagen hatte ich geradezu Blei in den Beinen. Ganz komisch. Deswegen hatte ich heute, als es dann zum Volksdorf-Rennen ging, auch nicht so hohe Erwartungen an mich (und ehrlich gesagt auch nicht die allergrößte Lust, es hat nämlich früh morgens in Strömen geregnet). Ich hab mich dann trotzdem mit Papa auf den Weg gemacht und als wir an der Rennstrecke waren, war der Regen auch schon wieder weg. Die Straße war zwar noch nass aber es ließ sich trotzdem ganz gut fahren. War also ne gute Entscheidung, doch herzukommen. Beim Warmfahren hab ich dann sogar gemerkt, dass ich richtig gute Beine hatte, aber als Papa mich danach fragte: „Na, wie fühlen sich die Beine heute an?“, hab ich wie fast immer (ich bin leidenschaftlicher Tiefstapler) geantwortet: „Joooaaaahh, geeeeht sooo“(Ich bin da nicht so präzise). Auf jeden Fall konnte ich das Warmfahrprogramm locker absolvieren, sodass wir den weniger schönen Teil von dem, was Papa unter „Rennvorbereitung“ versteht, noch erledigen konnten: Das Beine-Massieren inklusive nagelneuem Startöl, dass Papa zu seinem Geburtstag bekommen hat. Ich bin nämlich irre kitzelig und wenn einer schon meine Oberschenkel leicht zusammenknetet, muss ich schon laut lachen. Papa scheint das aber sehr zu genießen, deswegen knetet der bei mir nicht, sondern zerquetscht einem die Oberschenkel, sodass man Angst haben muss, am Ende mit ein paar Knochenbrüchen in der Notaufnahme zu landen. Also ich weiß echt nicht, wie manche Leute das mögen können… Ich hab’s immerhin überlebt und bin dann mit Papa zur Startaufstellung gegangen. Bald ging es auch schon los. Wir U-15er sind allerdings mit den Mädchen und der U-17 zusammen gefahren, was natürlich im Rennen für Chaos sorgen kann, wenn es beim Überrunden unübersichtlich wird. Nach dem Start wurde erstmal relativ langsam gefahren, aber dann ging ein 2002-er-Fahrer aus unserer Gruppe weg, und konnte sogar zu den U-17ern aufschließen. Wir dahinter sind dann erstmal langsam gefahren, nachdem es ein paar vergebliche Versuche gab, den Ausreißer wiedereinzuholen. Als die U 17 uns dann das erste mal überrundet hat, hab ich dann versucht, an den Großen dranzubleiben, aber das war mir echt zu schnell. Also hab ich auf den Sprint gewartet, bei dem ich ja eigentlich sehr gute Chancen hatte (die Zielgerade ging leicht bergauf, perfekt für mich, im letzten Jahr konnte ich in der U13 sogar gewinnen). In der letzten Kurve war ich dann super positioniert, ich war dritter und hab auf der Zielgeraden gemerkt, dass die beiden Fahrer vor mir schon langsamer wurden. Ich wollte gerade zum Sprint antreten, da bin ich auf einmal mit beiden Schuhen vom Pedal abgerutscht und saß plötzlich auf dem Oberrohr. Die ganze Gruppe war dann an mir vorbei und das Podest war Futsch. Dann hab ich mich natürlich erstmal richtig geärgert, ich glaube, wenn ich das Problem nicht gehabt hätte, dann wär ich jetzt mindestens dritter, wenn nicht sogar zweiter. Zuhause haben wir dann geguckt, woran das lag, dass ich mich unabsichtlich aus dem Pedal ausgeklickt habe. Und beim Inspizieren meiner Schuhplatten, haben wir das Problem gefunden: Die Dinger sehen aus, als ob irgendein Hund daranrumgeknabbert hat. Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass der vordere Teil der Platte vollig abgelaufen ist (ich bin irgendwie immer auf den Zehenspitzen damitrumgelaufen, obwohl man ja auf den Fersen gehen soll. Aber man vergisst halt manchmal, dass man nicht normal laufen darf). Da wo im Neuzustand (oder bei Papa, der richtig laufen kann) eine Lasche zum Einhaken ins Pedal ist, sind bei mir nur noch ein paar Fetzen übriggeblieben. So ein Mist. Ich ärgere mich total. Aber immerhin hat die Form mal wieder gestimmt.

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Pyrenäen: Tourmalet und Co.

Die Pyrenäen nötigen einem Hartnäckigkeit und Langmut ab. Es ist nicht so, dass man hinfahren kann, und alles ist gut. Nach zwei Urlauben (2011 und 2014), die man als eher verregnet bezeichnen muss, waren wir uns zwar jeweils einig, hier nie wieder hin zu fahren – andererseits ist die Landschaft so atemberaubend und so viel anders als in den Alpen, dass wir das Gefühl hatten, noch nicht fertig zu sein mit der Ecke. Und in diesem Jahr werden wir endlich belohnt. Das Wetter ist der Wahnsinn. Keine Wolke am Himmel, am dritten Tag in Folge – und auch die nächsten Tage werden wunderbar. Und heiß, bis 32 Grad.

Mit Hitze hat es Eisenwade ja nicht so. Gestern sind wir eine kleine 55-Kilometer-Runde gefahren, eher flach (so weit man das hier sagen kann) und möglichst schattig (na ja), im Grundlagentempo. Ich hörte Eisenwade dennoch hinter mir ächzen und begann, ein paar Karma-Punkte zu sammeln, in dem ich möglichst wenig trank, ahnend, dass der Kerl jeden Tropfen unserer drei Flaschen benötigen wurde (jep, so war’s). Und es ist hier ja so, dass man nach jeder Tour noch den Hautacam-Pass etwa 5 Kilometer hinauf fahren muss, um unter die Dusche und an den Kühlschrank zu kommen. Im Schlussanstieg konnte ich dann auch mal kurz zeigen, wo der Hammer hängt und war klar schneller, und das bei nur 0,4 Litern Wasser, die mir insgesamt zur Verfügung standen. War wahrscheinlich nicht ganz so vorschriftsmäßig, aber was sollte ich tun? Und: Es ging ja. Gute Vorzeichen für den Tourmalet, der heute auf dem Programm stand! Schnell ins weiße T-Shirt geschlüpft (letztes Bild) und ein zwei drei Schlummifix-Bierchen. Dann ging ich ins Bett und fühlte mich wie Froome.

Als Zugeständnis an den hitzeschwächelnden Kerl sind wir um 7.30 aufgestanden (allerdings nicht mehr wie Froome, sondern wie Gummibein) und saßen um 8 im Sattel. Schattige Abfahrt runter, dann durch das wunderschöne aber auch recht befahrene schluchtartige Tal hinauf nach Luz St. Sauveur, dort einmal links um die Ecke, und schon beginnt der erste von insgesamt 18,5 Kilometern Anstieg.

Der Tourmalet ist zwar der höchste, aber sicher nicht der schönste Pass, und ziemlich viele Autos fahren hier auch. Wir hatten deshalb verabredet, zunächst beieinander zu bleiben, zumindest, bis das Begleitfahrzeug uns eingeholt haben würde. Frau und Tochter waren dankenswerterweise ebenfalls früh aufgestanden und hatten uns 45 Minuten Vorsprung gegeben. Etwa 10,5 Kilometer vor der Passhöhe hatten sie uns dann. Bis dahin war es bei mir ganz gut gelaufen. Ich hatte etwas Sorge, dass ich dem Kleinen zu schnell fahre und konnte auch meine Leistung nicht kontrollieren, weil die Batterien meiner Rotor-Kurbel mal wieder leer sind (eben sind neue angekommen, Amazon sei Dank). Jedenfalls donnerte ich so Sky-mäßig in den Berg hinein, den Mann in Gelb hinter mir, begleitet von einem monumentalen Orchester in meinem Kopf, das so was in der Richtung „Freude schöner Götterfunken“ spielte – bis ich von hinten (gefühlt mit leicht murrendem Unterton) hörte, dass alles sei gerade eigentlich „ein bisschen langsam“ und überhaupt stünden nur 130 Watt auf Eisenwades Tacho.

Fuck.

Zum Glück kamen dann die Frauen.

Ich ließ ihn also ziehen und kämpfte die verbleibende Stunde alleine. Ich muss sagen: Früher ging der Berg besser. Ich habe keine Ahnung, wie viel Watt ich treten konnte, schätze aber, das waren klar unter 250. Von Luz aus bin ich zwar unter 1:30 h geblieben, ich erinnere aber, dass ich von der anderen Seite (1 km kürzer) mal in 1:12 hinauf bin. Das sind Welten. Dennoch hat’s Spaß gebracht, und oben (ich kam etwa fünf sechs 6:04 Minuten nach Eisenwade an) gab’s das obligatorische Foto.

Während der Kleine dann ins Auto durfte, hatte ich mir die große Runde zurück vorgenommen. Aber etwas zu liederlich geplant. Hinter Bagnères de Bigorre hatte ich mir eine Strecke rausgesucht, die gleich über zwei kleine Pässe führte, zwar nur jeweils 3 Kilometer lang, aber auf 2,5 Meter breiten Straßen, die auf voller Länge Steigungsprozente zwischen 14 und 20 (!) aufwiesen, bei nunmehr 32 Grad. Und weil ich entnervt nach einem zusätzlichen Ritzel suchte (war aber keines mehr da) und mir dabei den Umwerfer in die Speichen haute, das Ausfallende verbog und von da an die beiden letzten Ritzel gar nicht mehr schalten konnte, rettete ich mich irgendwie fluchend den über mir in den Hügeln hängenden Dörfern Unflätiges zurufend mit einem lustigen Lied auf den Lippen zum Anstieg nach Hautacam, an dessen Fuß mich die wunderbare Frau nach genau 100 Kilometern Fahrt dann einsammelte – nur mit dem 23er wäre ich da einfach nicht hinauf gekommen.

Fahrrad ist inzwischen gerichtet. Morgen ist Ruhetag, also: Bergwandertag.

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Unsere Tour de France

Während Radsport-Hamburg in diesen Tagen entweder im Cyclassics-Fieber ist, die Kids-Tour in Berlin gefahren ist oder sich auf die Zeitfahr-DM vorbereitet, befinden sich Eisenwade und Gummibein im extrem entspannten Sommerurlaub. Eisenwades körperliche Verfassung war ja zuletzt krankheitsbedingt etwas jämmerlich verbesserungswürdig. Von der des Alten nicht zu reden. Deshalb kam uns die erste Urlaubswoche, geplant von der Tochter, sehr entgegen: eine Woche Strandurlaub in Perpignan. Nun darf man das – sehr schöne – Perpignan nicht unterschätzen. Natürlich gibt es hier einen kilometerlangen Sandstrand. Aber: Liegt man am Meer und brät, bis die Haut Blasen wirft, fallen hinter einem die Pyrenäen ins Wasser. Keine 15 Kilometer vom Meer entfernt wird es kuppig durchaus steil, und unsere kleine, schnell gefundene Hausrunde von 60 KM hatte denn auch ein paar hübsche Anstiege aufzuweisen: bis zu sieben Kilometer nonstop bergauf mit fünf bis sieben Prozent – wunderbar (siehe Foto). Wir ließen es sehr langsam angehen, was gut war, denn Eisenwade war Lichtjahre von einer guten Form entfernt fuhr zunächst seiner Form etwas hinterher. Nach der Krankheitspause folgte der Trainingsrückstand, und auf der ersten Tour brach der kleine Mann ein wie das Knick Ei von Halstenbek. Ist lange her, dass ich ihn einen leichten Hügel hinauf schieben musste. :-)

Die folgenden Tage lief es aber besser. Mehr Schlaf und mehr Mückenspray waren eine gute Idee, der frühe Start um 8.30 Uhr auch – somit waren wir vor der 30-Grad-Marke (erreicht um 11 Uhr) wieder am Pool unserer wahnsinnig freundlichen britischen Auswander-Gastgeber.

An Gummibeins Geburtstag ging es dann weiter: Die letzten Zweidrittel unser Reise verbringen wir nun in den Pyrenäen. Und zwar an einem legendären Berg: dem Anstieg hinauf zum Hautacam. Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Hier attackierte der am Vortag in Gelb geschlüpfte, bis unter die Haarspitzen vollgepumpte Bjarne Riis 1996 ein ums andere Mal (ich glaube, es waren mindestens drei Mal, wenn nicht vier), ließ sich wieder zurückfallen, demoraliserte seine Gegner und zog dann unerbittlich von dannen und baute seine Führung aus. Und auch 2000, 2008 und 2014 führte die Tour hier hinauf. 2011 waren wir auch schon mal hier – und hin und weg. Wenn jemand das schönste Ferienhaus der Pyrenäen sucht: Call us. Leider ist die Nordseite der Pyrenäen ein langgezogenes Regenloch, aber für uns ist die Prognose für die kommenden 10 Tage hervorragend: bis zu 31 Grad. Ein kleines Wunder, ganz ohne das Weihwasser von Lourdes (10 Kilometer entfernt).

Unser Haus liegt bei Kilometer fünf des Anstiegs, die Tour führte hier schon mehrmals am Garten mit dem kleinen Boule-Platz vorbei (ich habe heute gegen die Tochter verloren, aber das war einfach nur Pech), man hätte damals jedem gedoptem Fahrern auf den Helm spucken können.

Nach der ersten Gipfelwanderung heute sind Eisenwade und ich am Abend noch für eine Mini-Tour auf die Räder gestiegen. Einmal runter ins Tal, kleine Schleife und wieder hinauf. Auf fünf Kilometer habe ich nur eine knappe Minute verloren – Grund genug, jetzt die zweite Flasche Wein zu öffnen! Bis bald!

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