LVM in Rostock/Schwaan

Ob die Idee, schon am Vorabend nach Rostock zu fahren, um am Morgen etwas ausgeruhter zu sein, so richtig zielführend war – ich weiß es nicht. Unsere kleine Pension in einem Gewerbegebiet nahe dem Rostocker Hafen jedenfalls war zwar ebenso sauber wie hässlich – aber eben auch laut, direkt an einer befahrenen Straße. Eisenwade hat es in solchen Fällen leichter, weil er ja eh nicht so gut hört. Ich hingegen stand reichlich müde morgens um kurz nach neun Uhr auf einer großen Wiese in Rostock-Schwaan, die zum Parkplatz und Fahrerlager umfunktioniert war und versuchte, die Jungs herbeizustarren. Die waren nämlich überfällig. Vor mehr als 30 Minuten waren sie zur Streckenerkundung aufgebrochen. Aber die Runde war ja nur knapp 12 Kilometer lang. Wo blieben die bloß? Ich ahnte Schreckliches. Eisenwade kann man zwei Straßen Kilometer entfernt von unserem Haus aussetzen – er würde nie im Leben zurück finden. Den Orientierungssinn hat er von seiner Mutter. Sollten die vier Hamburger U15-Fahrer sich also verfahren haben? Ich gebe zu: Ich war etwas nervös. Und kurz davor, auch die anderen Eltern mit meiner Unruhe anzustecken, als endlich vier gelbe Punkte angerollert kamen. Damit war aber das Rollenprogramm gestorben – wir hatten uns ja vorgenommen, dieses Mal etwas früher an den Start zu gehen, weil Eisenwade nicht wieder als Letzter ins Rennen wollte. Sich früh in der ersten Reihe aufzustellen, sollte reichen, um auf Position 20 oder so das Rennen beginnen zu können, so die demütige Rechnung.

Wir waren also etwas spät dran, und das kam tatsächlich so:

Leider haben wir beim Streckeabfahren etwas die Zeit vergessen: Wir haben uns verfahren (wir sind schlauerweise ungefähr 3 Kilometer in die falsche Richtung gefahren, die wir dann auch noch zurückfahren mussten) und mussten noch diverse Pinkelpausen einlegen. Das alles hat ziemlich lang gedauert also hatten wir, als wir zurückkamen kaum noch Zeit (na ja, eigentlich überhaupt keine Zeit) uns noch auf die Rolle zu setzen. Viele Fahrer wollten sich schon für den Start bereit machen andere stiegen gerade von ihren Rollen ab. Und ich musste ja auch noch zur Übersetzungskontrolle (wo mich der Typ, der die Räder kontrollierte, nur wieder etwas argwöhnisch angeguckt hat, als ich gesagt habe, dass ich schon U15er bin) und dann direkt an den Start. Bei dem gab es diesmal zum Glück kein Vorrücken, dafür eine neutralisierte Phase von gut einem Kilometer, die die Fahrer auf die eigentliche Runde leiten sollte. Insgeheim hatte ich mich schon gefreut, aber spätestens, als es dann losging habe ich gemerkt, dass mir dieser Positionskampf am Anfang des Rennens auch nicht wirklich liegt. Na ja, das gesamte Rennen war dann eigentlich ziemlich langsam, so langsam, dass es sich streckenweise gar nicht wie ein Rennen anfühlte und so mancher U13er dem Tempo hätte folgen können. Allerdings wurde die Spazierfahrt hin und wieder von ein paar Attacken unterbrochen, trotzdem kam niemand weg und das Feld blieb zusammen. Ich selber habe übrigens auch mal probiert, vorne Gas zu geben und dadurch vielleicht das Feld zu teilen, aber auch das ist nicht gelungen. Ich wurde schnell wieder abgelöst und hab mich dann fast die ganze Zeit an die RG-Hamburger und an Max David Briese aus Rostock gehalten, mit dem ich so ziemlich auf einem Niveau fahre. Na ja, eher habe ich das versucht, ich kam einfach mal wieder nicht zurecht mit dem großem Feld und wurde ständig nach hinten durchgereicht, kaum hatte ich mich mal etwas vorgearbeitet. Eine halbe Runde oder so habe ich an vierter, fünfter Position fahren können, mehr leider nicht. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, irgendwann noch mal was zu wagen, aber das war leichter gesagt als getan: Ich hatte hammergute Beine, und ich glaube von der reinen Kraft her hätte ich vielleicht sogar ein paar der älteren Fahrer hinter mir gelassen aber ich fand einfach keine Lücke, durch die ich eine Attacke starten könnte.

Na ja, das Rennen war sonst eigentlich nicht so interessant, es wurde drei Runden lang ziemlich gebummelt und alle wollten sich für das Finale schonen. Viele hatten sicher auch das Rennen vom Vortag in den Knochen, das ich ja ausgelassen hatte. Leider ist relativ am Ende der letzten Runde direkt vor mir jemand gestürzt und ich musste stark abbremsen. Zum Glück ist dabei nichts ernsthaftes passiert, ich glaube, alle Beteiligten konnten weiterfahren. Ein paar Fahrer waren aber auch noch vor den gestürzten und waren denen, die ausweichen mussten, dadurch um einige Meter voraus. Ich konnte den Anschluss an die erste Gruppe aber schnell wieder herstellen, weil vorne immer noch langsam gefahren wurde. Erst auf dem letztem Kilometer ging dann vorne richtig die Post ab und die Gruppe hat richtig Gas gegeben. Ich kam leider unübertreffbar schlecht um die letzte Kurve und wurde deswegen am Ende im etwas lang gezogenen Hauptfeld 14. anstatt wie heimlich angestrebt 7.. Na ja, da ist durchaus noch Luft nach oben… Ich glaube, ich muss einfach noch mehr Erfahrung bei großen Rennen sammeln und noch mehr lernen, mich im Feld vorzuarbeiten. Das Rennen selbst ist zwar im Endeffekt nicht so gut gelaufen wie gewünscht, aber es hat mir trotzdem gezeigt, dass meine Form momentan ziemlich gut ist und dass ich vor allem noch an der Taktik arbeiten muss. Deshalb geht’s auch am Mittwoch zur Radrennbahn, wo dann der nächste Lauf zum Bahnpokal stattfindet. Ich glaube, die Bahn ist ganz gut, um diese Positionskämpfe zu üben. Na ja, immerhin bin ich nicht gestürzt und ganz Okay im Mittelfeld angekommen. Gewonnen hat übrigens Jasper! Gückwunsch!!!

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