Nordmeisterschaften in Bremen

Eigentlich finde ich es ja nicht so gut, irgendwo hinzufahren und man weiß schon vorher, dass man nur verlieren kann. Das ist wie beim Süßigkeiten-Suchen. Da ist meine Schwester meistens schneller. Aber wenn man das Glas oben auf dem Küchenschrank endlich entdeckt hat, holt man sich halt trotzdem mit ein bisschen Resthoffnung den Stuhl, auch wenn man ahnt: Das Glas ist schon leer.
So war das vorgestern auch bei mir. Ich war letztes Jahr Nordmeister in der U13, und am Samstag ging’s nach Bremen, zu den Nordmeisterschaften 2015, aber dieses Mal in der U15. Ich wusste, ich würde da als junger Jahrgang nichts reißen, aber eine gute Platzierung hätte ich schon einfahren können. Na ja am Ende war’s dann der sechste Platz, was so mittel ist. Immerhin war ich, glaube ich, der beste aus meinem Jahrgang, also der 2003er.
Aber ich fang am besten mal von vorne an: Schon auf der Autofahrt hat Papa die ganze Zeit rumgenörgelt, wie sch***e Bremen ist und dass da alles so hässlich sei. Aber ich glaube, das liegt nur daran, dass irgendein Geschäft da in der Ecke nicht so gut läuft und so was regt Papa natürlich immer auf. Als wir dann an der Strecke angekommen waren, haben wir mich erstmal angemeldet und Papa hat sich abgemeldet. Das hat er aber nur gemacht, weil er dachte, das Wetter würde schlechter werden. Verfrorenes Weichei. Und dann lässt der mich in Neumünster nur mit Beinlingen fahren!!! Er hat dann aber dafür bezahlen müssen, das Wetter war im Laufe des Vormittags doch nicht so schlecht (ANMERKUNG DES ARTIKELFREISCHALTERS: Ich war die ganze Woche krank, du Vogel, hättest du eigentlich mitbekommen müssen! :-)).
Wir hatten sehr viel Zeit bis zum Start meines Rennens und deshalb konnten wir uns auch ausgiebig  auf der Strecke umschauen. Das Warmfahren ergab: extrem anspruchsvoll, gefühlt zehn Schiebe- oder Tragepassagen und noch dazu drei extrem steile Schlamm-Abfahrten von denen ich mindestens zwei schieben musste. Eigentlich ging es immer nur einen kleinen Deich hoch und runter und ab und zu mal durch ein bisschen Sand. Man hatte das Gefühl, die wollten einfach alles aus diesem unspektakulären Deich herausholen, was irgendwie ging. Der Kurs war auch generell etwas unglücklich gelegen, nämlich mitten im Industriegebiet. Als wir nach dem Warmfahren nachfragten, ob die Jugendfahrer wirklich diese steilen Passagen fahren müssen, sagte man uns allerdings, die „Kleinen“ fahren nur eine verkürzte Runde, sogar die U15er.
Leider war die kurze Runde dann doch etwas arg kurz geraten. Ohne irgendeinen Anstieg und auch ohne Hürden (nicht, dass es mich gefreut hätte, wenn da Hürden gewesen wären, aber so war der Kurs dann doch etwas langweilig). Einfach nur eine tellerflache Minirunde mit ein paar Matschpfützen drinnen. Man musste noch nicht einmal vom Rad, so dass es fast wie ein Straßenrennen zu fahren war. Irgendwie waren beide Varianten doof, die eine Strecke war zu kurz und zu flach, die andere viel zu steil und auch viel zu schwierig zu fahren. Einen Anstieg hat man uns aber noch gelassen, einmal kurz schräg den Deich hoch und gleich wieder runter. Richtig ausgleichen konnte der kleine Hügel aber nichts, zumal man höllisch aufpassen musste, dass man nicht in Hundekacke trat oder fuhr, der ganze Deich war voll davon. Als das Rennen dann losging, kam ich erst nicht richtig weg und vorne gab es, warum auch immer, einen riesigen Stau. Die ersten fünf Fahrer waren dann natürlich erst mal weg und ich musste mich von hinten irgendwie wieder rankämpfen. Eigentlich verlief das weitere Rennen recht ereignislos, eine Art Einzelzeitfahren. Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass es eine bescheuerte Idee ist, alle Altersklassen (U11, U13 und U15)zusammen starten zu lassen. Dadurch gibt es bei der Überrundung der jüngeren Altersklassen (ja, der Kurs war extrem kurz) immer wieder Ärger, weil manche Fahrer so erschöpft sind, dass sie in Schlangenlinien fahren und man aufpassen muss, dass man nicht umgefahren wird. Als ich dann nach sechs Runden und etwa 20 Minuten ins Ziel kam, stellte Papa erstaunt fest, dass ich gar nicht so ausgepumpt wie sonst war, das lag aber, glaube ich, vor allem an der flachen Strecke. Bei der Siegerehrung hat es dann wenigstens für den dritten Platz in der Hamburger Wertung gereicht. Dafür habe ich jetzt aber eine Kappe mit dem „SHIMANO“-Logo gewonnen, außerdem meinen mittlerweile fünften Stevens-Turnbeutel, eine Trinkflasche mit Regenbogenstreifen und dem „STEVENS“-Logo und eine Bronzemedallie. Das bringt mir aber nicht so viel, Papa verlangt von jedem Preis, den ich gewinne, 20%, er fährt mich immerhin zu den Rennen und trainiert dafür mit mir. Also bekommt er den Deckel der Flasche, das Band von der Medallie und von der Kappe den Schirm. Beim Beutel muss ich ihn noch fragen, ob er sich auch mit den Bändern zufrieden gibt, wär ja schade um den schönen Beutel.
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